Brake. In der Debatte über die Schließung des St. Bernhard-Hospitals meldet sich mit J. Müller eines der bedeutenden Braker Unternehmen zu Wort. Gegenüber der Braker Zeitung beschreibt das Hafenunternehmen erstmals konkreter, wie eine medizinische Anschlussversorgung aus seiner Sicht aussehen sollte.

J. Müller fordert für Brake eine medizinische Grundversorgung mit rund 25 Betten. Hinzukommen sollten eine primäre Erstversorgung, die Möglichkeit ambulanter Operationen und die Einbindung des Medizinischen Versorgungszentrums.

Rund 25 Betten und ambulante Operationen

Die genannten Punkte sind konkrete Vorstellungen des Unternehmens, aber noch kein abgestimmtes medizinisches oder wirtschaftliches Versorgungskonzept. Welche Fachrichtungen benötigt würden, ob die Erstversorgung rund um die Uhr erreichbar sein müsste und wer ein solches Angebot betreiben und finanzieren könnte, bleibt offen. Auch die Zahl von rund 25 Betten wurde von J. Müller nicht näher hergeleitet.

In seiner Pressemitteilung erklärt das Unternehmen, von der beabsichtigten Schließung ebenfalls überrascht worden zu sein. Gefordert wird eine tragfähige Lösung für die gesamte Wesermarsch, die eine klinische Versorgung in Brake und möglichst viele Arbeitsplätze erhält.

„Eine klinische Versorgung gehört, ohne wenn und aber, dazu.“Jan Müller in der Pressemitteilung des Unternehmens

Erstversorgung für Arbeitsunfälle und andere Notfälle

J. Müller begründet seine Forderung unter anderem mit den besonderen Anforderungen eines Hafenbetriebs. Arbeitsunfälle ließen sich trotz umfangreicher Sicherheitsmaßnahmen nicht vollständig ausschließen.

Das St. Bernhard-Hospital habe zwar nicht über alle medizinischen Fachbereiche verfügt, bislang aber eine Erstversorgung und Stabilisierung ermöglicht, bevor Patienten bei Bedarf in andere Kliniken verlegt wurden. Diese Möglichkeit falle mit der Schließung weg.

Das Unternehmen verweist dabei nicht nur auf Arbeitsunfälle. Auch bei einem Herzinfarkt oder anderen akuten Erkrankungen könnten längere Wege bis zur nächsten geeigneten Klinik eine Rolle spielen. Nach Einschätzung von J. Müller müsste deshalb der Rettungsdienst aufgestockt werden. Je weiter Rettungsmittel fahren müssten, desto länger seien sie gebunden.

Der Landkreis Wesermarsch hatte der Braker Zeitung bereits mitgeteilt, dass eine rettungsdienstliche Bewertung und Folgenabschätzung läuft. Geprüft werden unter anderem veränderte Fahrwege, Einsatzzeiten und Personalvorhaltungen.

Rund 1.000 Seeschiffe laufen Brake jährlich an

Eine besondere Bedeutung hat die medizinische Versorgung nach Auffassung des Unternehmens auch für den Hafen. Nach Angaben von J. Müller laufen Brake jährlich rund 1.000 Seeschiffe an.

Benötigt ein Besatzungsmitglied medizinische Hilfe, war eine hafennahe Klinik bislang ein erheblicher Vorteil. Künftig könnten längere Wege den organisatorischen Aufwand und die Belastung der Besatzungen erhöhen. Viele Besatzungsmitglieder sprächen kein Deutsch und seien in einer medizinischen Notlage in einem fremden Land auf Unterstützung angewiesen.

Folgen für Beschäftigte und Fachkräftegewinnung

Die Schließung betrifft nach Angaben von J. Müller auch Familien der eigenen Beschäftigten. Partnerinnen und Partner könnten durch das Krankenhaus-Aus ihren Arbeitsplatz verlieren. Finden sie andernorts eine neue Beschäftigung, müssten Familien möglicherweise zwischen einem Umzug, zusätzlichen Pendelwegen oder einem Arbeitsplatzwechsel abwägen.

Zugleich spiele die örtliche Infrastruktur bei der Suche nach Fachkräften eine zunehmend wichtige Rolle. Bewerber achteten gezielt auf das Umfeld eines möglichen Arbeitsplatzes. Auch Schulen, Kitas, Verkehrsanbindungen, Einkaufsmöglichkeiten und die medizinische Versorgung beeinflussten die Entscheidung für einen Arbeitgeber und einen Wohnort.

Im ländlichen Raum verschärfe der unzureichende öffentliche Nahverkehr die Situation. Weitere Wege zu Kliniken, ambulanten Behandlungen oder Angehörigenbesuchen seien deshalb nicht für alle Menschen problemlos zu bewältigen.

J. Müller bislang nicht an Gesprächen beteiligt

Die Forderung richtet sich nach Unternehmensangaben an den Landkreis Wesermarsch, das Land Niedersachsen, den derzeitigen Krankenhausträger, mögliche künftige Betreiber und den Betreiber der Klinik in Esenshamm.

Erwartet werden kurzfristige und dauerhaft tragfähige Lösungen, die einen unmittelbaren Übergang der medizinischen Versorgung ermöglichen. Dabei sollten möglichst viele Ärzte und andere medizinische Fachkräfte in der Region gehalten werden.

An den Gesprächen über die Anschlussversorgung ist J. Müller bislang nicht beteiligt. Das Unternehmen verweist darauf, dass es keine rechtliche Grundlage für eine formelle Beteiligung gebe. Zugleich erklärt Pressesprecher Uwe Schiemann gegenüber der Braker Zeitung, J. Müller stehe Gesprächen grundsätzlich offen gegenüber.

Konkreter Vorschlag, offene Umsetzung

In der Pressemitteilung warnt J. Müller außerdem vor gegenseitigen Schuldzuweisungen und einer Behandlung des Themas als Wahlkampffrage. Stattdessen brauche es eine konstruktive Zusammenarbeit von Stadt, Landkreis, Land und Krankenhausträgern.

Damit liegt eine konkrete Forderung aus der regionalen Wirtschaft vor. Ob eine Grundversorgung mit rund 25 Betten medizinisch, rechtlich und wirtschaftlich umgesetzt werden kann, müssen nun die zuständigen Beteiligten beantworten.