Wesermarsch. Bevölkerungsschutz klingt nach Einsatzleitung, Sandsäcken, Sirenen und Ernstfall. Im Landkreis Wesermarsch soll das Thema künftig aber deutlich früher beginnen: bei Kindern und Jugendlichen. Dafür haben Landrat Stephan Siefken, Kreisrätin Maren Würger und LzO-Stiftungsratsmitglied Jan Kurka am Kreishaus in Brake einen neuen Anhänger als mobilen „Lernort Bevölkerungsschutz“ offiziell übergeben.

Der Anhänger soll künftig im gesamten Kreisgebiet eingesetzt werden, unter anderem bei Schulen, Jugendgruppen, Aktionstagen und in der Nachwuchsarbeit der Hilfsorganisationen. Ziel ist es, junge Menschen frühzeitig und altersgerecht an Themen wie Brandschutz, Hochwasserschutz, Notruf, Erste Hilfe und Selbstschutz heranzuführen.

Ausgestattet ist der rund vier Meter lange Anhänger mit verschiedenen Übungsmaterialien. Dazu gehören nach Angaben des Landkreises unter anderem ein Rauchdemohaus, ein Real-Brand-Trainer, ein Mini-Deich-Spiel, ein Notrufsimulator, Material für Experimente, Erste-Hilfe-Ausstattung und Informationsmaterialien.

Finanziert wurde das Projekt mit Unterstützung aus Mitteln der Kreisentwicklung sowie der LzO-Regionalstiftung. Die Kosten für Beschaffung und Ausstattung belaufen sich laut Landkreis auf insgesamt rund 27.000 Euro.

Landrat Stephan Siefken betonte bei der Übergabe, Bevölkerungsschutz beginne nicht erst im Ernstfall, sondern dort, wo Menschen verstehen, was sie selbst tun können. Auch LzO-Stiftungsratsmitglied Jan Kurka bezeichnete die Investition als sinnvoll, weil Wissen und Übung direkt dorthin gebracht würden, wo Kinder und Jugendliche sind.

Der mobile Lernort soll außerdem die Nachwuchsgewinnung und Bildungsarbeit der Hilfsorganisationen im Landkreis unterstützen. Der Anhänger steht künftig sowohl Hilfsorganisationen als auch der Unteren Katastrophenschutzbehörde kostenfrei zur Verfügung. Verleih und Instandhaltung liegen beim Referat für Brand- und Bevölkerungsschutz. Anfragen und Reservierungen sind per E-Mail an katastrophenschutz@wesermarsch.de möglich.

Vertreter von Feuerwehr, Johannitern, DLRG und THW begrüßten das Projekt. Dieter Meyer von der Johanniter Unfallhilfe verwies darauf, dass Kinder ihr Wissen auch in Familien weitertragen können. THW-Ausbildungsbeauftragter Christian Beck und THW-Jugendbeauftragte Vivian Pargmann bezeichneten das Konzept als starkes Angebot für die Bildungsarbeit. Kreisbrandmeister Ralf Hoyer und DLRG-Vertreter Mika Töwe betonten den Wert früher Wissensvermittlung für den Ernstfall. Genutzt werden soll das Material unter anderem in der Arbeit der Kinder- und Jugendfeuerwehren, bei Ausbildungsformaten und bei Veranstaltungen zur Sensibilisierung der Bevölkerung.

Der erste öffentliche Einsatz steht bereits fest: Am 27. Juni wird der Anhänger im Rahmen des Hochwasserschutztages vorgestellt. Die Veranstaltung findet von 10 bis 17 Uhr an der Kaje und auf dem Gelände des OOWV an der Georgstraße 4 statt. Im Mittelpunkt stehen Eigenvorsorge im Katastrophenfall, Aktionen, Vorträge und ein Rahmenprogramm.

Einordnung

Bevölkerungsschutz ist kein Thema nur für Behörden und Einsatzkräfte. Gerade in einer Region wie der Wesermarsch, in der Hochwasser, Sturmfluten, Stromausfälle oder größere Einsatzlagen keine theoretischen Szenarien sind, kann frühe Aufklärung sinnvoll sein.

Entscheidend wird aber sein, ob der mobile Lernort tatsächlich regelmäßig genutzt wird. Ein Anhänger macht noch keine Vorsorge. Wirkung entsteht erst, wenn Schulen, Jugendgruppen und Hilfsorganisationen das Angebot aktiv einsetzen und Kinder das Gelernte mit nach Hause nehmen.