Brake - 85 Jahre Firmengeschichte kann man mit alten Bildern, Jahreszahlen und einem Jubiläumsfest erzählen. Bei Barghorn liegt die wichtigere Nachricht allerdings nicht im Rückblick. Sie liegt im Jahr 2026.

Gunnar Barghorn und seine Kinder haben ihre Gesellschafterrolle Anfang dieses Jahres in eine Familien-Stiftung überführt. Nach Angaben des Unternehmens soll damit der Fortbestand der Firma gesichert und zugleich eine Grundlage geschaffen werden, um die Arbeitsplätze langfristig zu erhalten.

85 Jahre sind der Anlass. Die eigentliche Weichenstellung betrifft die kommenden Jahrzehnte.

Von Fritz Böning bis zur dritten Generation

Die Unternehmensgeschichte beginnt 1941. Damals übernahm Ingenieur Fritz Böning die Maschinenfabrik Joh. Wefer. Aus dem Betrieb entwickelte sich ein Unternehmen, das Maschinenbau, Haustechnik und zeitweise auch Elektroeinzelhandel miteinander verband.

Historischer Unternehmensstandort von Fritz Böning in Brake mit Fahrzeugen vor dem Betrieb, datiert auf den 1. Oktober 1966
Historische Aufnahme: Der Unternehmensstandort von Fritz Böning in Brake. Das Bild trägt die Datierung 1. Oktober 1966 und verweist auf das damalige 25-jährige Bestehen. Bild: Barghorn GmbH & Co. KG.

1971 übernahm Magnus F. Barghorn die weitere Entwicklung des Standortes. Der Aufbau einer Stahlbauabteilung, ein Neubau an der Weserstraße und weitere Erweiterungen folgten. Seit 2001 führt Gunnar Barghorn das Unternehmen in dritter Generation. Barghorn beschreibt sich heute als Spezialist für Stahl-, Maschinen- und Metallbau.

Nach Unternehmensangaben beschäftigt die Gruppe inzwischen rund 100 Mitarbeiter. Die Auftragslage sei gut, die Auslastung hoch und die Planung für die kommenden Jahre gesichert. Gleichzeitig bilde das Unternehmen weiterhin Nachwuchs aus und investiere in den Standort Brake.

Das ist die klassische Erfolgsgeschichte eines Mittelständlers. Interessanter wird sie dort, wo ein Familienunternehmen klären muss, wie Verantwortung und Eigentum über die nächste Generation hinaus organisiert werden.

Führung bereits seit 2023 neu verteilt

Die Veränderung begann nicht erst mit der Stiftung. Zum 1. Januar 2023 wurde Steffen Grunewald zum Geschäftsführer berufen. Seitdem konzentriert sich Gunnar Barghorn nach Unternehmensangaben auf die strategische und kaufmännische Ausrichtung, während Grunewald die operativen und technischen Bereiche verantwortet. Daniel Lopes, Leiter der Materialwirtschaft, erhielt gleichzeitig Prokura.

Damit wurde Verantwortung bereits vor Jahren auf mehrere Schultern verteilt. Nun folgt die Eigentümerseite.

Die Stiftung soll den Fortbestand sichern

Anfang 2026 überführten Gunnar Barghorn und seine Kinder ihre Gesellschafterrolle in eine Familien-Stiftung. Das erklärte Ziel: Unternehmen und Arbeitsplätze langfristig sichern und eine Grundlage für kommende Generationen schaffen.

Der Schritt beantwortet damit eine Frage, die viele inhabergeführte Betriebe irgendwann erreicht: Wie lässt sich Kontinuität organisieren, bevor ein Generationswechsel plötzlich zum Problem wird?

Eine Stiftung ist dabei keine Erfolgsgarantie. Sie ist zunächst eine Struktur. Ob sie ihren Zweck auf Dauer erfüllt, entscheidet sich nicht auf dem Papier, sondern daran, wie Führung, Verantwortung und wirtschaftliche Entwicklung künftig zusammenspielen.

Gunnar Barghorn bleibt

Ein unmittelbarer Abschied Gunnar Barghorns ist mit der Neuordnung nicht verbunden. Er bleibt gemeinsam mit Steffen Grunewald Geschäftsführer. Sein vollständiger Rückzug aus dem operativen Geschäft sei als schrittweiser Prozess geplant und werde voraussichtlich erst in einigen Jahren erfolgen.

Barghorn selbst verbindet die Neuordnung mit seinem Verständnis von Unternehmensführung. Vertrauen, übertragene Verantwortung und ein respektvolles Miteinander gehörten für ihn mit wirtschaftlichem Erfolg zusammen. Die Stiftung solle diese Werte über seine eigene Zeit als Gesellschafter hinaus absichern.

Das Jubiläum markiert mehr als eine Zahl

Natürlich wird auch gefeiert. Die Geschäftsführung lädt die Mitarbeiter mit ihren Partnern zu einem Jubiläumsfest ein.

Doch 85 Jahre Barghorn erzählen 2026 nicht nur davon, was aus einem 1941 übernommenen Betrieb geworden ist. Sie erzählen auch davon, wie ein Unternehmen versucht, seinen Fortbestand zu organisieren, bevor Nachfolge zur Notlage wird.

Bei Barghorn ist darauf nun eine strukturelle Antwort gegeben. Ob sie die nächsten Jahrzehnte trägt, wird nicht das Jubiläum zeigen, sondern die Zeit danach.