Delmenhorst und Landkreis Oldenburg. Es klingt wie eine erfundene Geschichte: Die Hausbank ruft an, meldet eine angeblich auffällige Transaktion und kündigt anschließend einen Mitarbeiter an, der die Bankkarte an der Wohnanschrift abholen soll. Die PIN soll gleich mitgegeben werden.

Genau vor dieser Betrugsmasche warnt die Polizeiinspektion Delmenhorst/Oldenburg-Land/Wesermarsch. Nach ihrer Mitteilung vom 21. Juli 2026 häufen sich entsprechende Anzeigen insbesondere im Stadtgebiet Delmenhorst und im Landkreis Oldenburg.

Erst der Anruf, dann der Abholer

Nach Angaben der Polizei gehen die Täter arbeitsteilig vor. Zunächst melden sich Personen aus sogenannten Callcentern und geben sich als Mitarbeiter der jeweiligen Hausbank aus. Sie behaupten, es gebe ein Problem mit einer bestimmten Kontobewegung.

Zur angeblichen Klärung wird anschließend die Abholung der Bankkarte vereinbart. Ein weiterer Täter erscheint als vermeintlicher Bankmitarbeiter an der Wohnanschrift und soll Karte und PIN entgegennehmen.

Die angezeigte Nummer beweist nichts

Besonders tückisch ist, dass auf dem Telefondisplay sogar die tatsächliche Nummer der Hausbank erscheinen kann. Die Polizei warnt deshalb davor, allein der angezeigten Rufnummer zu vertrauen.

Die Arbeitsteilung kann die Geschichte zusätzlich glaubwürdig wirken lassen. Eine Person führt das Gespräch, eine andere erscheint später als angekündigter Mitarbeiter. Die Masche lebt von Zeitdruck, einem seriösen Auftreten und dem Vertrauen in die eigene Bank.

Keine Bank holt Karte und PIN zu Hause ab

Die wichtigste Regel ist eindeutig: Eine Bank schickt keinen Mitarbeiter zur Wohnung eines Kunden, um dort eine Bankkarte und die dazugehörige PIN abzuholen.

Auch Bankmitarbeiter kennen die persönliche Geheimzahl ihrer Kunden nicht und dürfen sie nicht erfragen. Die PIN darf deshalb weder am Telefon genannt noch zusammen mit der Karte an eine andere Person übergeben werden.

Wer einen solchen Anruf erhält, sollte das Gespräch beenden und die Bank anschließend über eine selbst herausgesuchte offizielle Telefonnummer kontaktieren. Eine vom Anrufer genannte Nummer sollte dafür nicht verwendet werden.

Bislang keine Fälle aus der Wesermarsch genannt

Die Warnung stammt von der auch für die Wesermarsch zuständigen Polizeiinspektion. Die aktuelle Häufung der Anzeigen verortet die Polizei jedoch ausdrücklich im Stadtgebiet Delmenhorst und im Landkreis Oldenburg.

Fälle aus Brake oder anderen Orten der Wesermarsch werden in der Mitteilung nicht genannt. Ebenfalls offen bleibt, wie viele Anzeigen konkret vorliegen, in wie vielen Fällen Karten tatsächlich übergeben wurden und welcher finanzielle Schaden entstanden ist.

Wenn die Karte bereits übergeben wurde

Betroffene sollten unverzüglich ihre Bank informieren und die Karte sperren lassen. Der zentrale Sperrnotruf ist unter 116 116 erreichbar. Außerdem sollte sofort Anzeige bei der Polizei erstattet werden.

Steht ein angekündigter Abholer bereits vor der Tür, sollte die Tür geschlossen bleiben. Bei einer unmittelbar bevorstehenden Übergabe oder einer verdächtigen Person vor dem Haus kann die Polizei über 110 verständigt werden.