Brake. Das bisherige Medizinische Versorgungszentrum am ehemaligen St. Bernhard-Hospital wird beendet. Das bestätigt die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen auf eine schriftliche Anfrage der Braker Zeitung. Hintergrund ist nach Angaben der KVN die Einstellung des Krankenhausbetriebs zum 14. August. Das MVZ sei von der Schließung mitbetroffen, weil es zum Krankenhaus gehöre.
Damit muss eine Formulierung präzisiert werden, die in den vergangenen Wochen immer wieder gefallen war: Dass ambulante Facharztangebote in Brake erhalten werden sollen, bedeutet nicht automatisch, dass das bisherige MVZ als bestehende Trägerstruktur fortgeführt wird. Genau diese Struktur endet nach der aktuellen KVN-Auskunft.
Drei Arztsitze werden neu vergeben
Die KVN hat die bisherigen vertragsärztlichen Versorgungsaufträge rechtzeitig zur Nachbesetzung ausgeschrieben. In der Veröffentlichung erscheinen sieben einzelne Positionen, die sich nach Angaben der KVN insgesamt auf drei Arztsitze verteilen.
Ausgeschrieben sind zwei Viertel-Versorgungsaufträge Chirurgie und Orthopädie mit bisherigem Schwerpunkt Chirurgie, ein hälftiger Auftrag Chirurgie und Orthopädie mit bisheriger Plastischer und Handchirurgie, ein hälftiger Versorgungsauftrag Gastroenterologie, zwei Viertel-Versorgungsaufträge Kardiologie sowie ein Sonderbedarf für Hämatologie und Onkologie.
Die Praxisform „MVZ“ in der Ausschreibung bedeutet dabei nicht, dass die Sitze zwingend innerhalb des bisherigen Braker MVZ weitergeführt werden müssen. Nach Angaben der KVN können sich sowohl andere Ärzte als auch andere Medizinische Versorgungszentren bewerben. Liegen mehrere Bewerbungen für denselben Sitz vor, entscheidet der zuständige Zulassungsausschuss in einem Auswahlverfahren.
Stand 25. August: noch keine Bewerbung
Zum Zeitpunkt der KVN-Antwort am 25. August war für keinen der ausgeschriebenen Versorgungsaufträge eine Bewerbung eingegangen. Die Bewerbungsfrist endet allerdings erst am 31. August. Die KVN weist darauf hin, dass Bewerbungen in solchen Verfahren durchaus erst gegen Ende der Frist eingehen, und zeigt sich zuversichtlich, dass noch Interessenten folgen.
Über die Nachbesetzungen soll voraussichtlich bereits am 2. September 2026 der Zulassungsausschuss Niedersachsen, Kammer Wilhelmshaven, entscheiden. Bleiben einzelne Sitze ohne geeignete Bewerbung, sollen sie nach Angaben der KVN erneut ausgeschrieben werden.
Fortführung in Brake nicht für alle Sitze garantiert
Die Angabe „Praxisort Brake“ bedeutet nicht bei jedem Versorgungsauftrag, dass eine spätere Verlagerung ausgeschlossen ist. Arztsitze können grundsätzlich innerhalb desselben Planungsbereichs verlagert werden, allerdings nur unter strengen Voraussetzungen. Die KVN erwartet zugleich, dass der Zulassungsausschuss bei seiner Auswahl die Versorgungslage vor Ort berücksichtigt.
Eine stärkere Bindung besteht beim onkologischen Sitz. Dieser beruht nach Angaben der KVN auf einem regional gebundenen Sonderbedarf und kann nicht ohne eine weitere Bedarfsprüfung verlegt werden.
Auf die entscheidende Frage, ob Chirurgie, Gastroenterologie, Kardiologie sowie Hämatologie und Onkologie ab dem 1. Oktober ohne Unterbrechung in Brake angeboten werden können, gibt die KVN derzeit keine Zusage. Ihre Antwort lautet, dass zunächst das Verfahren im Zulassungsausschuss abzuwarten sei.
Keine Verbindung zu den neuen Standortplänen
Bemerkenswert ist auch die Abgrenzung zu den laufenden Planungen für den ehemaligen Krankenhausstandort. Auf die Frage, ob die Ausschreibungen mit der Neuordnung des Standorts beziehungsweise einer künftig stärker ambulanten Versorgung in Brake zusammenhängen, antwortet die KVN ausdrücklich mit „Nein“.
Damit laufen derzeit zwei Entwicklungen nebeneinander: Einerseits wird über neue ambulante Strukturen und mögliche Angebote von Helios in Brake gesprochen. Andererseits muss die bestehende vertragsärztliche Struktur des bisherigen MVZ in einem regulären Nachbesetzungsverfahren neu geordnet werden.
Entscheidend sind jetzt der 31. August und der 2. September
Für Patienten in Brake ist deshalb nicht nur entscheidend, ob sich überhaupt Bewerber finden. Entscheidend ist auch, welche Bewerber ausgewählt werden, an welchem Standort sie die Versorgung tatsächlich fortführen und ob zwischen dem Ende der bisherigen MVZ-Struktur und einer neuen Lösung eine Versorgungslücke entsteht.
Die Braker Zeitung wird nach Ablauf der Bewerbungsfrist und nach der Sitzung des Zulassungsausschusses erneut nachfragen. Dann lässt sich erstmals belastbar beantworten, welche der bisherigen Facharztangebote tatsächlich in Brake bleiben.