Brake/Wesermarsch. Der Streit um die Zukunft des ehemaligen St. Bernhard-Hospitals verschärft sich. Landrat Stephan Siefken fordert die Stiftung als Eigentümerin des Standortes auf, direkt und ernsthaft mit Helios über die Zukunft eines Gesundheitszentrums in Brake zu verhandeln. Gleichzeitig lehnt der Landkreis einen Erwerb der Krankenhaus-Immobilien durch die öffentliche Hand ausdrücklich ab.

Landkreis will Immobilien nicht übernehmen

Nach Darstellung des Landkreises hatte der Stiftungsvorstand öffentlich vorgeschlagen, dass der Landkreis die Immobilien der kirchlichen Stiftung erwerben könnte. Siefken erteilt diesem Modell eine Absage. Es sei nicht Aufgabe des Landkreises, Immobilien eines kirchlichen Trägers mit Steuergeldern zu übernehmen.

Der Landrat verbindet die Ablehnung mit einem weiteren Vorwurf: Die genannten Preisvorstellungen für die Immobilien seien aus seiner Sicht bislang nicht belegt. Der Landkreis sieht deshalb auch keine Grundlage dafür, mit öffentlichen Mitteln eine mögliche Insolvenz der Stiftung abzuwenden.

Siefken fordert direkte Verhandlungen mit Helios

Statt eines Immobilienkaufs durch den Landkreis soll die Eigentums- und Nutzungsfrage nach Auffassung Siefkens zwischen der Stiftung und einem künftigen Betreiber geklärt werden. Der Landrat fordert, dass nun ohne weitere Verzögerungen direkt mit Helios gesprochen und verhandelt wird.

Die Immobilienfrage gehöre auf den Verhandlungstisch zwischen Eigentümer und künftigem Betreiber der Gesundheitsversorgung, so die Position des Landkreises. Hintergrund ist die weiterhin offene Frage, ob und in welcher Form am bisherigen Krankenhausstandort ein Gesundheitszentrum mit Betten entstehen kann.

Konflikt um die Standortlösung wird konkreter

Bereits am 14. August hatte Siefken die Stiftung öffentlich kritisiert und davor gewarnt, dass eine gemeinsame Lösung für ein Gesundheitszentrum mit Betten scheitern könnte. Mit der neuen Erklärung wird erstmals ein konkreter wirtschaftlicher Streitpunkt öffentlich sichtbar: die Krankenhaus-Immobilien, ihre Bewertung und die Frage, wer sie künftig nutzen oder finanzieren soll.

Was die Stiftung dem Landkreis konkret angeboten hat, welche Preisvorstellungen tatsächlich im Raum stehen und wie die Stiftung die Darstellung Siefkens bewertet, geht aus der aktuellen Mitteilung des Landkreises nicht hervor. Diese Punkte bleiben deshalb Gegenstand der weiteren Recherche.

Minister Philippi soll Lösung unterstützen

Gesundheitsminister Dr. Andreas Philippi will die Suche nach einer Lösung unterstützen. Ein Vor-Ort-Termin in der Wesermarsch ist bereits angekündigt. Für den Standort Brake bleibt bis dahin offen, ob sich Stiftung und Helios auf eine tragfähige Betreiber- und Immobilienlösung verständigen können.

Fazit der Redaktion

Die Auseinandersetzung um die Zukunft des Krankenhausstandortes hat eine neue Ebene erreicht. Nach dem Ende des stationären Betriebs geht es nicht mehr nur um medizinische Angebote, sondern zunehmend um Eigentum, Finanzierung und Verhandlungsmacht. Der Landkreis schließt einen Kauf der Stiftungsimmobilien für sich aus und verweist die Immobilienfrage an Stiftung und künftigen Betreiber.

Für eine belastbare Bewertung fehlen weiterhin zentrale Angaben: Welches konkrete Modell hat die Stiftung vorgeschlagen? Welche Bewertung liegt den Immobilien zugrunde? Und welche Bedingungen müsste Helios erfüllen, um am Standort tatsächlich ein Gesundheitszentrum zu betreiben? Diese Fragen bleiben offen.