Berlin. Bundeskanzler Friedrich Merz fordert mehr Arbeitsleistung. Beim IHK-Tag 2026 erklärte er, für ältere Beschäftigte seien Anreize für längeres Arbeiten geschaffen worden. Zugleich wolle die Bundesregierung erreichen, dass mehr Menschen in Vollzeit arbeiten.
Gleichzeitig soll der Staat selbst schlanker werden. Die Bundesregierung verweist für 2027 auf eine Einsparquote beim Personal von zwei Prozent. Bis 2029 sollen insgesamt acht Prozent eingespart werden. Sicherheitsbehörden sind von diesen Vorgaben allerdings ausgenommen.
Doch während vom Personalabbau gesprochen wird, steigt die Gesamtzahl der im Bundeshaushalt ausgewiesenen Planstellen und Stellen zunächst weiter.
Von 298.140 auf 310.487 Stellen
Eine aktuelle Auswertung der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft kommt auf 298.140 Planstellen und Stellen im Jahr 2024. Für 2026 werden 305.753 ausgewiesen. Im Regierungsentwurf für den Bundeshaushalt 2027 sind es nach dieser Auswertung 310.487.
Gegenüber 2024 wären das 12.347 Stellen mehr, ein Anstieg von 4,1 Prozent. Seit 2017 ist die Zahl nach der Auswertung von 257.069 auf 305.753 Stellen im Jahr 2026 gestiegen.
Dabei muss sauber unterschieden werden: Eine im Haushalt ausgewiesene Stelle bedeutet nicht automatisch, dass dort bereits ein zusätzlicher Mitarbeiter sitzt. Planstellen können unbesetzt sein. Aus der Zahl lässt sich deshalb nicht einfach ableiten, dass die Bundesregierung bereits mehr als 12.000 zusätzliche Menschen eingestellt hat.
Fest steht aber: Der finanzierte Stellenrahmen des Bundes wird größer.
Vor allem Beamtenstellen legen zu
Nach der INSM-Auswertung stieg die Zahl der Beamtenplanstellen von 152.229 im Jahr 2017 auf 206.444 im Jahr 2026. Allein zwischen 2024 und 2026 wird ein Plus von 9.008 Beamtenplanstellen ausgewiesen. Für 2027 sollen weitere 4.316 hinzukommen. Gleichzeitig ging die Zahl der Arbeitnehmerstellen im längerfristigen Vergleich zurück.
Auch die Personalausgaben steigen. Für 2024 nennt die Auswertung 44,97 Milliarden Euro, für 2026 rund 48 Milliarden Euro. Für 2027 werden 51,62 Milliarden Euro veranschlagt.
Die Zahlen stammen aus einer Untersuchung der INSM und sind deshalb als solche zu kennzeichnen. Sie ersetzen keine detaillierte eigene Auswertung sämtlicher Einzelpläne des Bundeshaushalts.
Gleichzeitig ist Stellenabbau gesetzlich vorgeschrieben
Das Haushaltsgesetz 2026 schreibt Einsparungen bei Planstellen für Beamte und Stellen für Arbeitnehmer vor. Der finanzielle Umfang soll einer Einsparung von 2,2 Prozent entsprechen. Gleichzeitig nennt das Gesetz eine lange Liste von Ausnahmen. Dazu gehören unter anderem Bundespolizei, Bundeskriminalamt, Zollverwaltung, Bundeswehr, Technisches Hilfswerk, Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe sowie weitere sicherheitsrelevante Behörden.
Damit können zwei Entwicklungen gleichzeitig stattfinden: In einem Teil der Verwaltung werden Stellen gestrichen, während in ausgenommenen Bereichen neue Stellen geschaffen werden.
Ein großer Teil ist vom Sparziel ausgenommen
Auf eine Anfrage im Bundestag bezifferte die Bundesregierung die Beschäftigten in den ausgenommenen Bereichen auf 141.635 Beamte und 56.159 Tarifbeschäftigte. In den Bereichen, die dem Einsparziel unterliegen, nannte sie dagegen 64.307 Beamte und 43.134 Tarifbeschäftigte.
Das angekündigte Sparziel von acht Prozent bedeutet damit nicht, dass der gesamte Personalbestand des Bundes bis 2029 automatisch um acht Prozent sinken muss.
Wer mehr Leistung fordert, muss den eigenen Apparat erklären
Neue Stellen können notwendig sein. Verteidigung, innere Sicherheit, Katastrophenschutz, Digitalisierung oder die Bekämpfung von Steuerkriminalität können zusätzlichen Personalbedarf begründen.
Doch die Bundesregierung fordert gleichzeitig von Beschäftigten mehr Vollzeit und längeres Arbeiten. Sie kündigt Einsparungen an und spricht von einer effizienteren Verwaltung. Dann muss sie auch erklären, warum die Gesamtzahl der ausgewiesenen Stellen zunächst weiter steigt und welche zusätzlichen dauerhaften Kosten damit verbunden sind.
Wer den Bürgern mehr Leistung abverlangt, muss den eigenen Personalaufbau mindestens ebenso genau begründen.
Die Braker Zeitung fragt nach
Die Braker Zeitung wird Bundesregierung und Bundesfinanzministerium um eine konkrete Aufschlüsselung bitten: Wie entwickelt sich der Stellenbestand tatsächlich, welche Ressorts wachsen, wo werden Stellen gestrichen und wie viele der zusätzlichen Stellen entfallen auf die ausdrücklich vom Abbau ausgenommenen Bereiche?
Außerdem soll geklärt werden, wie hoch der tatsächliche Netto-Personalaufbau ist, wie viele der ausgewiesenen Stellen besetzt sind und wie die Bundesregierung den wachsenden Gesamtstellenrahmen mit ihrem angekündigten Personalabbau bis 2029 zusammenführt. Die Antworten werden in diesem Artikel ergänzt.