Deutschland. Bargeld verschwindet nicht über Nacht. Die Infrastruktur, über die Menschen an Bargeld kommen, verändert sich aber deutlich. Nach den jüngsten Zahlungsverkehrsdaten der Deutschen Bundesbank gab es Ende 2025 in Deutschland noch rund 48.000 Geldautomaten mit Auszahlungsfunktion. Ein Jahr zuvor waren es etwa 49.700. Das entspricht einem weiteren Rückgang um rund drei Prozent.

Der Rückgang ist seit Jahren messbar

Die Bundesbank nennt für Anfang 2023 noch 51.825 Geldautomaten. Bis Anfang 2025 sank die Zahl auf 49.459, zum Jahresende 2025 lag sie nochmals niedriger. Parallel geht auch die Zahl klassischer Bankstellen zurück.

Das zeigt sich inzwischen in der Wahrnehmung der Bevölkerung. In der Bundesbank-Studie zum Zahlungsverhalten 2025 bezeichneten 39 Prozent den Weg zu einem Geldautomaten oder Bankschalter als „sehr einfach“, 44 Prozent als „ziemlich einfach“. 13 Prozent empfanden ihn als „ziemlich schwierig“ und vier Prozent als „sehr schwierig“. Gegenüber 2023 sank insbesondere der Anteil derjenigen, die den Zugang als sehr einfach bewerteten.

29 Prozent berichten von mehr Aufwand

Die Bundesbank fragte zusätzlich, wie sich der Aufwand für den Bargeldbezug innerhalb von zwei Jahren verändert habe. 29 Prozent nannten einen größeren Aufwand, 65 Prozent keinen Unterschied und sechs Prozent einen geringeren Aufwand. Das spricht dafür, dass der Rückbau nicht nur statistisch sichtbar ist, sondern einen Teil der Bevölkerung praktisch erreicht.

Die Ladenkasse wird zur zusätzlichen Bargeldstelle

Gleichzeitig entstehen Alternativen. Supermärkte und Drogerien bieten seit Jahren Auszahlungen an der Kasse an. Ein aktuelles Beispiel liefert die Deutsche Bank mit ihrem „Bargeld-Code“. Kunden können in der App einen Code erzeugen und damit nach Angaben der Bank an mehr als 12.500 Partner-Standorten Bargeld ein- oder auszahlen, ohne einen klassischen Geldautomaten zu benutzen.

Die Bank schafft damit ihre Geldautomaten nicht pauschal ab. Auf ihrer eigenen Informationsseite verweist sie weiterhin auf Deutsche-Bank-Automaten sowie auf die Cash Group. Der Bargeld-Code ist also eine zusätzliche Infrastruktur, keine vollständige Abschaffung des Automaten.

Die neue Lösung hat Grenzen

Der Unterschied wird bei den Limits sichtbar. Mit dem Bargeld-Code können nach Angaben der Deutschen Bank höchstens 300 Euro je Auszahlung abgehoben werden. Für Ein- und Auszahlungen zusammen gilt innerhalb von 24 Stunden eine Grenze von 999,99 Euro. Außerdem benötigt der Nutzer die App und eine Internetverbindung, um den Code zu erzeugen.

Ein klassischer Geldautomat kann deshalb funktional nicht in jeder Situation durch die Ladenkasse ersetzt werden. Hinzu kommt, dass die Verfügbarkeit vom jeweiligen Partnernetz und den Öffnungszeiten des Geschäfts abhängt.

Bargeldversorgung insgesamt noch gewährleistet

Zum Gesamtbild gehört auch das Gegenargument: Die Bundesbank bewertet den Zugang zu Bargeld in Deutschland weiterhin als weitgehend gesichert. Nach ihrer Untersuchung leben rund 96 Prozent der Bevölkerung in Gemeinden mit mindestens einem Geldautomaten oder Bankschalter. In ländlichen Regionen sind die Wege im Durchschnitt jedoch länger als in Städten.

Fazit

Die Aussage, Geldautomaten würden in Deutschland bald vollständig verschwinden, ist durch die verfügbaren Daten nicht gedeckt. Der strukturelle Rückbau ist aber eindeutig. Gleichzeitig verschiebt sich ein Teil der Bargeldversorgung in den Einzelhandel. Für viele Verbraucher ist das bequem. Für eine flächendeckende, jederzeit verfügbare Bargeldversorgung ist die Ladenkasse bislang jedoch nur Ergänzung und nicht vollständiger Ersatz.