Update 21.09.2026

Der Magistrat der Stadt Bremerhaven und das Klinikum haben die gesellschaftsrechtliche und finanzielle Einordnung der Gespräche in Brake präzisiert. Verhandelt habe die eigenständige MVZ am Klinikum Bremerhaven-Reinkenheide GmbH. Eine Finanzierung aus dem Kassenverstärkungskredit der Klinikum Bremerhaven-Reinkenheide gGmbH sei ausgeschlossen gewesen.

Bremerhaven/Brake. Die Gespräche über eine mögliche Übernahme von MVZ-Praxen in Brake wurden nach übereinstimmenden Stellungnahmen von Stadt und Klinikum nicht im Namen der Klinikum Bremerhaven-Reinkenheide gGmbH geführt. Verhandlungspartner war die MVZ am Klinikum Bremerhaven-Reinkenheide GmbH. Damit ist ein zentraler Punkt der bisherigen Recherche geklärt.

Zwei Gesellschaften, ein klarer Unterschied

Der Magistrat teilte der Braker Zeitung mit, die Geschäftsführung des MVZ habe die Stadt seit Aufnahme der Verhandlungen umgehend und fortlaufend informiert. Das MVZ sei wirtschaftlich gut aufgestellt, sodass sogenannte anorganische Wachstumsschritte grundsätzlich möglich seien. Auch das Klinikum betont ausdrücklich, dass MVZ und Klinikum zwei unterschiedliche Gesellschaften sind.

Frank Kühl, der die Stellungnahme des Klinikums verantwortet, ist Kaufmännischer Geschäftsführer sowohl der MVZ-Gesellschaft als auch der Klinikum Bremerhaven-Reinkenheide gGmbH. Diese personelle Überschneidung ändert nichts an der rechtlichen Trennung der Gesellschaften, gehört für die Einordnung der Unternehmensstruktur aber dazu.

Kassenverstärkungskredit laut Stadt nicht genutzt

Am 18. Juni 2026 hatte der Magistrat der Klinikum Bremerhaven-Reinkenheide gGmbH die Möglichkeit eingeräumt, bei Bedarf zusätzliche Mittel aus einem um 10 Millionen Euro verstärkten Kassenkredit der Stadt in Anspruch zu nehmen. Hintergrund waren mögliche temporäre Liquiditätsengpässe und der laufende Restrukturierungsprozess.

Neu ist die aktuelle Aussage des Magistrats: Nach aktuellem Stand sei eine Inanspruchnahme dieses Kassenverstärkungskredits nicht erforderlich. Zudem sei eine Verwendung dieser Mittel für Wachstumsschritte des MVZ in Brake ausgeschlossen gewesen und zu keinem Zeitpunkt erwogen worden.

Damit muss die bisherige Einordnung präzisiert werden: Die Stadt stellte dem Klinikum einen zusätzlichen Liquiditätsrahmen bereit. Nach der aktuellen Stellungnahme wurden daraus bislang jedoch keine Mittel benötigt, und der Kreditrahmen sollte nicht zur Finanzierung der Brake-Verhandlungen des MVZ dienen.

Worum in Brake verhandelt wurde

Gegenstand waren nach Angaben des Klinikums Gespräche mit Geschäftsführung und Sachwalter über eine mögliche Übernahme von MVZ-Praxen am Standort Brake. Es ging weiterhin nicht um die Übernahme des gesamten insolventen St. Bernhard-Hospitals.

Am 13. August hatte Reinkenheide der Braker Zeitung noch von konstruktiven und fortgeschrittenen Gesprächen gesprochen. Fünf Tage später wurden die Verhandlungen ohne Ergebnis beendet. Stadt und Klinikum verweisen zu den Einzelheiten auf vereinbarte Vertraulichkeit.

Was weiterhin offen bleibt

Mit den neuen Stellungnahmen ist die Frage nach einer Finanzierung aus dem städtisch abgesicherten Kassenverstärkungskredit beantwortet: Nach Darstellung des Magistrats war sie ausgeschlossen. Offen bleiben dagegen der mögliche Kaufpreis oder sonstige Finanzierungsbedarf, die konkrete Finanzierung innerhalb des MVZ und die Gründe für das Scheitern der Verhandlungen.

Auch die Frage, welche formale Zustimmung für eine Übernahme erforderlich gewesen wäre, wird nicht ausdrücklich beantwortet. Klinikum und Magistrat erklären lediglich, dass Aufsichtsrat beziehungsweise Gesellschafter fortlaufend über den Stand der Gespräche informiert gewesen seien.

Magistrat begrüßt den Vorstoß

Die Stadt bewertet die Gespräche grundsätzlich positiv. Sie begrüße die proaktive Vorgehensweise der MVZ-Geschäftsführung zur Weiterentwicklung der ambulanten Versorgungsstrukturen am Standort Brake. Außerdem seien inzwischen mehrere Beschäftigte aus Brake in Bremerhaven untergekommen.

Der wirtschaftliche Hintergrund bleibt

Unabhängig von der nun geklärten Trennung zwischen Klinikum und MVZ bleibt die wirtschaftliche Lage der Klinikum Bremerhaven-Reinkenheide gGmbH angespannt. Für 2025 war ein Defizit von rund 10 Millionen Euro eingeräumt worden; Anfang Juni wurde für 2026 mit einem weiteren Fehlbetrag von rund 5,5 Millionen Euro gerechnet. Das Klinikum hatte zudem einen unternehmensweiten Einstellungsstopp bestätigt.

Eine Insolvenz des Klinikums ist damit nicht belegt. Bereits Anfang Juni hatte das Unternehmen erklärt, nach damaligem Stand bestehe keine Notwendigkeit zur Anmeldung eines Insolvenzverfahrens. Die aktuelle Auskunft des Magistrats, wonach der zusätzliche Kassenverstärkungskredit bislang nicht benötigt wurde, ist ein weiterer wichtiger Baustein für die Einordnung.