Deutschland. Thomas arbeitet Vollzeit. Jeden Monat stehen 2.500 Euro brutto auf seiner Gehaltsabrechnung. Thomas ist fiktiv. Die Posten auf seiner Rechnung sind alltäglich.

Er ist 42 Jahre alt, ledig, kinderlos, gesetzlich krankenversichert und in Steuerklasse I. Keine Kirchensteuer, keine außergewöhnlichen Belastungen. Ein Modellarbeitnehmer für eine einfache Frage: Was bleibt von 2.500 Euro brutto, wenn ein normaler Monat bezahlt werden muss?

So rechnen wir: 2.500 Euro Monatsbrutto, Steuerklasse I, kinderlos, gesetzlich versichert, keine Kirchensteuer. Beim Krankenversicherungs-Zusatzbeitrag verwenden wir den für 2026 festgelegten Durchschnitt von 2,9 Prozent. Der tatsächliche Nettolohn kann je nach Krankenkasse und persönlichen Merkmalen abweichen.

Von 2.500 Euro kommen rund 1.769 Euro an

30.000 Euro verdient Thomas brutto im Jahr. Von seinem Monatsbrutto gehen Lohnsteuer sowie die Arbeitnehmeranteile für Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung ab.

AbzugMonat
Bruttolohn2.500,00 €
Rentenversicherung−232,50 €
Krankenversicherung inklusive durchschnittlichem Zusatzbeitrag−218,75 €
Pflegeversicherung, kinderlos−60,00 €
Arbeitslosenversicherung−32,50 €
Lohnsteuer−187,33 €
Netto im Modell1.768,92 €

Rund 731 Euro sind damit bereits gebunden, bevor Thomas die Miete bezahlt oder einen Einkaufswagen gefüllt hat. Dabei gilt: Nicht alles davon sind Steuern. Rund 187 Euro entfallen in unserem Modell auf die Lohnsteuer. Der größere Teil sind Beiträge zur Sozialversicherung.

750 Euro für die Wohnung. 450 Euro für Essen.

Thomas zahlt 750 Euro Warmmiete. Für Lebensmittel und Getränke setzen wir 450 Euro im Monat an. Das sind etwa 15 Euro pro Tag. Kein tägliches Restaurant, kein Luxusmenü. Frühstück, Mittagessen, Abendessen und Getränke müssen davon bezahlt werden.

60 Euro rechnen wir für Strom. Weitere 60 Euro für Internet und Mobiltelefon. Drogerie und Haushalt schlagen mit 60 Euro zu Buche.

Thomas besitzt außerdem ein Auto. Nicht als Statussymbol, sondern als gewöhnliches Alltagsfahrzeug. Dafür rechnen wir 70 Euro Versicherung, 15 Euro monatlichen Anteil an der Kfz-Steuer und 150 Euro Kraftstoff. Weitere Versicherungen: 50 Euro. Rundfunkbeitrag: rund 18 Euro.

Grundlegender PostenMonat
Warmmiete750 €
Lebensmittel und Getränke450 €
Strom60 €
Internet und Handy60 €
Drogerie und Haushalt60 €
Kfz-Versicherung70 €
Kfz-Steuer15 €
Kraftstoff150 €
weitere Versicherungen50 €
Rundfunkbeitrag18 €
Summe1.683 €

Von Thomas' 1.768,92 Euro netto bleiben danach 85,92 Euro.

Das Auto darf nicht kaputtgehen

Ein Auto braucht Reifen, Öl, TÜV, Inspektionen und irgendwann eine Reparatur. Dafür setzen wir gerade einmal 75 Euro monatliche Rücklage an.

10,92 €bleiben nach den grundlegenden Kosten und der kleinen Rücklage fürs Auto.

Mehr nicht. Und Thomas ist noch nicht angezogen.

Kleidung? Noch nicht bezahlt.

Für Kleidung und Schuhe hatten wir 100 Euro im Monat vorgesehen. Friseur und Körperpflege: 40 Euro. Kaffee oder ein Snack unterwegs: 60 Euro. Freizeit und Ausgehen: 150 Euro. Sonstige Anschaffungen: 100 Euro. Rücklage für einen Urlaub: 100 Euro.

Diese Posten zusammen kosten weitere 550 Euro. Der vollständige von uns angesetzte Modellmonat kommt damit auf 2.308 Euro.

KassensturzBetrag
Nettoeinkommen1.768,92 €
Grundlegende Kosten1.683,00 €
Rücklage Auto75,00 €
Verbleibend10,92 €
Weitere angesetzte Ausgaben550,00 €
Gesamtbedarf2.308,00 €
Monatliche Lücke539,08 €

Kein Luxus. Trotzdem reicht es nicht.

In dieser Rechnung steckt noch keine Autofinanzierung. Kein Kredit. Kein Haustier. Keine neue Waschmaschine. Keine größere Zahnarztrechnung. Kein Fitnessstudio. Keine Streamingdienste. Kein echter finanzieller Notfall.

Natürlich kann Thomas streichen. Er kann weniger für Lebensmittel ausgeben, nicht ausgehen, keine Urlaubsrücklage bilden, Kleidung nur kaufen, wenn es gar nicht anders geht, auf Kaffee unterwegs verzichten und Reparaturen verdrängen, bis sie tatsächlich anfallen.

Damit lässt sich jede Rechnung irgendwann passend machen. Aber genau darum geht es nicht.

Der Staat ist auch beim Ausgeben dabei

Mit den Abzügen vom Gehalt endet die staatliche Belastung nicht. Thomas zahlt Umsatzsteuer auf zahlreiche Einkäufe und Dienstleistungen. Im Kraftstoff stecken Energiesteuer und Umsatzsteuer. Beim Strom fällt unter anderem Stromsteuer an. Für das Auto zahlt Thomas Kfz-Steuer. In bestimmten Versicherungsprämien steckt Versicherungsteuer.

Juristisch sind das unterschiedliche Steuertatbestände. Es wäre deshalb falsch zu behaupten, derselbe Euro werde schlicht mehrfach mit derselben Steuer belegt. Für das Portemonnaie bleibt aber der praktische Effekt: Vom bereits versteuerten und verbeitragten Einkommen fließen beim Verbrauch weitere Beträge an den Staat.

Und wenn Thomas raucht?

Zigaretten gehören nicht zum Grundbedarf. Deshalb haben wir sie bewusst aus der Hauptrechnung herausgehalten. Nehmen wir als Zusatzszenario 20 Zigaretten täglich und rund 270 Euro monatliche Ausgaben an, steigt der Modellbedarf auf 2.578 Euro.

Bei weiterhin 1.768,92 Euro netto fehlen dann 809,08 Euro. Tabakwaren werden zudem mit Tabaksteuer und Umsatzsteuer belastet.

13,9 Prozent standen im August im Minus

Eine aktuelle, von Smava veröffentlichte und von Civey durchgeführte Befragung zeigt, dass das Kontominus kein Randphänomen ist. Im August 2026 gaben 13,9 Prozent der befragten Volljährigen in Deutschland an, mit ihrem Girokonto im Minus zu stehen. Das war der höchste Wert seit Beginn dieser Erhebungsreihe im Dezember 2021.

Seit Juli 2025 werden dafür fortlaufend 5.000 Erwachsene befragt. Auftraggeber ist das Finanzierungsportal Smava, das selbst Kredite vermittelt. Dieses wirtschaftliche Eigeninteresse gehört zur Einordnung der Zahlen. Die Befragung selbst erfolgt durch Civey.

Die Umfrage beweist nicht, dass jedes überzogene Konto auf zu geringe Arbeitseinkommen zurückgeht. Menschen nutzen einen Dispo aus unterschiedlichen Gründen. Unsere Modellrechnung zeigt aber, wie schnell eine Lücke entstehen kann, wenn Einkommen und ein gewöhnlich angesetzter Monat aufeinandertreffen.

Dabei kostet Thomas' Arbeit mehr als 2.500 Euro

Auch die 2.500 Euro brutto erzählen nicht die ganze Geschichte. Der Arbeitgeber zahlt zusätzlich eigene Sozialversicherungsbeiträge. Allein aus den von uns verwendeten Beitragssätzen ergeben sich rund 528,75 Euro Arbeitgeberanteile.

Damit kostet Thomas' Arbeitsleistung den Arbeitgeber bereits mindestens rund 3.028,75 Euro im Monat, bevor beispielsweise gesetzliche Unfallversicherung und weitere Umlagen berücksichtigt werden.

Mehr als 3.000 Euro Arbeitskosten. 2.500 Euro brutto. Rund 1.769 Euro auf dem Konto. Nach den grundlegenden Kosten und einer kleinen Autorücklage: 10,92 Euro.

Meinung der Redaktion

Man kann diese Rechnung kleinrechnen.

Billigere Wohnung. Weniger Lebensmittel. Kein Auto. Keine Rücklagen. Kein Urlaub. Keine Freizeit. Kleidung nur, wenn es unbedingt sein muss.

Dann reichen 2.500 Euro brutto irgendwann auf dem Papier.

Aber damit beantwortet man die falsche Frage.

Wer Vollzeit arbeitet, muss mehr finanzieren können als Wohnung, Essen und den Weg zur Arbeit. Ein Einkommen reicht nicht deshalb für ein normales Leben, weil man so lange Bestandteile dieses Lebens streicht, bis die Zahlen endlich passen.

In unserem Modell bleiben Thomas nach den grundlegenden Kosten und einer kleinen Rücklage fürs Auto 10,92 Euro. Die Rechnung geht nur auf, wenn Thomas anfängt, sein Leben herauszustreichen.

Und genau das gehört auf den Tisch.