BREMEN. Steine. Flaschen. Pyrotechnik. Ein verletzter Polizist. Und darüber die Überschrift der Polizei Bremen: „Polizei zieht überwiegend positive Zwischenbilanz.“
Manchmal liefert eine Pressemitteilung ihre Pointe selbst.
Am Freitagabend, 2. Oktober, versammelten sich nach Angaben der Polizei rund 700 Menschen am Brill. Unter dem Motto „Kein Frieden mit der Nation. Gegen Nationalismus, Militarisierung und Sozialabbau“ führte der Aufzug durch die Neustadt, über die Wilhelm-Kaisen-Brücke bis zur Kunsthalle. Radio Bremen ordnete die Teilnehmer dem linken Spektrum zu. Angemeldet worden war die Demonstration von der „Basisgruppe Antifaschismus Bremen“.
Erst Bengalos, später Steine
Ganz ohne Begleiterscheinungen blieb bereits der Aufzug nicht. Nach Angaben der Polizei wurden aus der Versammlung heraus vereinzelt Bengalos und Böller gezündet und geworfen. Verletzt wurde dabei nach bisherigem Stand niemand.
Damit hätte der Abend enden können.
Tat er aber nicht.
In der Nacht sammelte sich nach Darstellung der Polizei eine größere Personengruppe an der Sielwallkreuzung. Dort blieb es nicht bei Parolen und Pyrotechnik. Einsatzkräfte wurden mit Pyrotechnik, Steinen und Flaschen attackiert. Die Polizei nahm Tatverdächtige fest, fertigte Strafanzeigen und räumte die Kreuzung.
Ein Polizist wurde durch Pyrotechnik verletzt. Er musste ärztlich behandelt werden. Die Ermittlungen dauern an.
Eine Verbindung ist bislang nicht belegt
An einer Stelle endet der belastbare Befund.
Die Polizei schreibt nicht, dass die Angreifer an der Sielwallkreuzung zuvor Teilnehmer des Demonstrationszuges waren. Sie beschreibt den Aufzug am Abend und anschließend die größere Personengruppe in der Nacht. Eine personelle Identität beider Gruppen geht aus der bisherigen Polizeimeldung nicht hervor.
Das ist die Grenze dessen, was bislang feststeht.
Dass aus dem Demonstrationszug selbst zuvor Bengalos und Böller gezündet und geworfen wurden, steht dagegen ausdrücklich in der Polizeimeldung. Ebenso der spätere Angriff mit Steinen, Flaschen und Pyrotechnik. Ebenso der verletzte Beamte.
„Insgesamt friedlich“
Und dann ist da noch die Bilanz.
Die Polizei erklärt, die Feierlichkeiten seien aus ihrer Sicht am ersten Tag „insgesamt friedlich und ohne größere Zwischenfälle“ verlaufen. Im selben Text dokumentiert sie den Angriff auf ihre eigenen Einsatzkräfte und den verletzten Kollegen.
Beides kann gleichzeitig stimmen, wenn man die zahlreichen friedlichen Besucher und das gesamte Veranstaltungsgeschehen betrachtet.
Es zeigt aber auch, was ein einziges Wort leisten kann.
„Überwiegend positiv“ klingt nach einem ruhigen ersten Tag der Einheitsfeier. Steine, Flaschen und ein verletzter Polizist klingen deutlich weniger nach Veranstaltungsbilanz.
Sie sind trotzdem Teil derselben.
Am Samstag startete dann das offizielle Programm der Politik: Gottesdienst, Festakt, Bundespräsident. Deutschland feiert seine Einheit.
In der Nacht davor musste die Polizei eine Kreuzung räumen.
Mit Steinen und Flaschen im Einsatzbericht.
