BREMEN. „Positive Bilanz am zweiten Tag“ überschreibt die Polizei Bremen ihre Mitteilung zum Bürgerfest am Tag der Deutschen Einheit. Wenige Absätze später dokumentiert dieselbe Behörde eine verbrannte Deutschlandflagge, Angriffe auf Einsatzkräfte, vier verletzte Polizisten, Festnahmen und Ermittlungen wegen schweren Landfriedensbruchs.
Der Widerspruch steckt damit nicht in einer politischen Bewertung. Er steht in der Polizeimeldung selbst.
Unter dem Motto „Protest gegen Militarismus und Kriegstreiberei“ zog am Sonnabend ein angemeldeter Aufzug durch Bremen. Während der Demonstration verbrannten nach Angaben der Polizei vermummte Personen eine Deutschlandflagge.
Angriffe mit Fahnenstangen
Als die Polizei anschließend Maßnahmen einleitete, wurden Einsatzkräfte unter anderem mit Fahnenstangen angegriffen. Vier Polizisten wurden verletzt. Sie blieben dienstfähig.
Die Polizei löste die Versammlung auf. Tatverdächtige wurden festgenommen, Platzverweise ausgesprochen und weitere polizeiliche Maßnahmen eingeleitet.
Festnahmen und schwerer Landfriedensbruch
Wie viele Personen festgenommen wurden, nennt die Behörde in ihrer Mitteilung nicht.
Die Ermittlungen dauern an. Dabei geht es nach Angaben der Polizei unter anderem um schweren Landfriedensbruch.
Das ist mehr als eine missglückte Begleiterscheinung eines großen Bürgerfestes. Eine politische Demonstration ist vom Versammlungsrecht geschützt. Angriffe auf Polizeibeamte sind es nicht.
Zwei weitere Versammlungen aufgelöst
Auch danach blieb es für die Einsatzkräfte nicht ruhig.
Im weiteren Verlauf löste die Polizei im Bereich des Bürgerfestes zwei unangemeldete Versammlungen mit etwa 30 beziehungsweise rund 50 Teilnehmern auf. Personalien wurden festgestellt und Anzeigen gefertigt. Einen Zusammenhang zwischen diesen Versammlungen und dem vorherigen Gewaltausbruch nennt die Polizei nicht.
Und dennoch lautet die Gesamtbewertung der Behörde positiv.
Die Begründung liefert sie im letzten Absatz selbst: „Abseits dieser Vorfälle“ seien die Feierlichkeiten aus polizeilicher Sicht friedlich und ohne größere Zwischenfälle verlaufen.
Die Bilanz hängt vom Maßstab ab
Bremen war Gastgeber der zentralen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit. Das Bürgerfest erstreckte sich über weite Teile der Innenstadt.
Gemessen an einer Großveranstaltung mit zahlreichen Besuchern kann die Polizei deshalb zu dem Ergebnis kommen, dass der überwiegende Teil des Festes friedlich verlief.
Doch eine „positive Bilanz“ bleibt ein bemerkenswertes Etikett für einen Tag, an dem dieselbe Polizei vier verletzte Beamte, Angriffe mit Fahnenstangen, Festnahmen und Ermittlungen wegen schweren Landfriedensbruchs protokollieren muss.
Am Tag der Deutschen Einheit wurde in Bremen eine Deutschlandflagge verbrannt.
Vier Polizisten wurden verletzt.
Auch das gehört zur Bilanz.
