Hamburg. Vom 24. bis 26. September führt das Landeskommando Hamburg die Bundeswehrübung „Red Storm Charlie“ durch. Rund 500 Soldaten trainieren dabei gemeinsam mit Behörden, Polizei, Feuerwehr, Hilfsorganisationen und Unternehmen die Zusammenarbeit in Krisen- und Sicherheitslagen. Zu den beteiligten oder unterstützenden Unternehmen zählt die Bundeswehr ausdrücklich auch Edeka und Netto.

Im Mittelpunkt stehen nach Angaben der Bundeswehr unter anderem die Verlegung von Truppen und Material durch Hamburg sowie die Zusammenarbeit zwischen militärischen und zivilen Akteuren. Der Operationsplan Deutschland bildet dabei einen wesentlichen Hintergrund der Übung.

Verkaufsstart sechs Tage vor der Übung

Am 17. September kündigte der Edeka-Verbund an, „Red Storm Charlie“ zu unterstützen und zugleich die private Krisenvorsorge stärker in den Mittelpunkt zu rücken. Ein Schwerpunkt ist ein eigens entwickelter Notfallrucksack.

Der Online-Verkauf startete am 18. September, sechs Tage vor Beginn der Bundeswehrübung. In teilnehmenden Edeka-Märkten und Netto-Filialen in Hamburg soll der Rucksack vom 21. bis 26. September zu einem Vorzugspreis angeboten werden. Der Übungszeitraum und die Vermarktung des Produkts überschneiden sich damit unmittelbar.

Im Marktkauf-Onlineshop wird der rund 26 Liter große Rucksack für 99 Euro angeboten. Zum Lieferumfang gehören unter anderem ein Kurbelradio, eine Solar-Powerbank, eine Trinkflasche mit Filter, ein Multifunktionswerkzeug, eine Verbandstasche, ein Regenponcho, Paracord-Seil und ein Taschenkocher.

Edeka spricht selbst von einer Basis

Der angebotene Rucksack ist kein vollständig gepacktes Notgepäck für jede persönliche Lage. Edeka bezeichnet ihn selbst als kompakte Basis für die private Krisenvorsorge. Eine beiliegende Packliste soll zeigen, welche persönlichen Dinge ergänzt werden sollten, darunter wichtige Dokumente, Medikamente, Lebensmittel und Hygieneartikel.

Nach Angaben von Edeka orientiert sich diese Packliste direkt an Empfehlungen des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Das BBK nennt für ein vorbereitetes Notgepäck darüber hinaus unter anderem Wechselkleidung, Schlafsack oder Decke, Arbeitshandschuhe, Taschenlampe, persönliche Medikamente, Hygieneartikel, Lebensmittel, wichtige Dokumente und Bargeld.

Auch eine Lkw-Kolonnenfahrt gehört zur Beteiligung

Edeka und Netto beteiligen sich nach Angaben des Handelsverbunds nicht nur kommunikativ an der Übung. Vorgesehen sind auch eine Lkw-Kolonnenfahrt durch Hamburg und eine Informationsveranstaltung gemeinsam mit dem Arbeiter-Samariter-Bund im Hamburger Hafen.

Parallel nimmt die Edeka-Zentrale an „Red Storm Business“ teil, einer von der Handelskammer Hamburg koordinierten Wirtschaftsübung. Dabei spielen Unternehmen eigene Krisenszenarien durch. Die Bundeswehr stellt hierzu klar, dass sie „Red Storm Business“ weder organisiert noch selbst daran teilnimmt.

Die Braker Zeitung fragt nach

Die zeitliche und kommunikative Verbindung zwischen Übungsbeteiligung und Produkteinführung ist öffentlich dokumentiert. Offen ist jedoch, wie weit beide Vorgänge organisatorisch miteinander verbunden sind.

Die Braker Zeitung hat deshalb am 18. September Presseanfragen an Edeka, die Bundeswehr und das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe gerichtet. Gefragt wird unter anderem, ob der Notfallrucksack speziell im Zusammenhang mit „Red Storm Charlie“ entwickelt wurde, ob staatliche Stellen an Entwicklung, Zusammenstellung oder Bewertung beteiligt waren und ob Vereinbarungen im Zusammenhang mit der Übungsbeteiligung bestehen.

Beim BBK fragen wir außerdem nach, ob das Bundesamt das konkrete Produkt geprüft oder bewertet hat und wie die Bezugnahme auf seine Vorsorgeempfehlungen einzuordnen ist. Die Antworten werden nach Eingang in diesem Beitrag ergänzt.