Brake – Für die Erstklässler beginnt das Schuljahr 2026/27 mit einer grundlegenden Neuerung: Seit dem 1. August besteht erstmals ein Rechtsanspruch auf ganztägige Förderung. Die Stadt Brake erklärt auf Anfrage der Braker Zeitung, dass dieser Anspruch für die Kinder der ersten Klassen zum Schulstart erfüllt werden könne.

Ganz abgeschlossen ist die praktische Umsetzung allerdings noch nicht. In zwei Grundschulen fehlen die geplanten neuen Mensen, genaue Ganztagsanmeldezahlen liegen der Stadt nicht vor und zur Ferienbetreuung kündigt die Verwaltung weitere Informationen erst für die nächste Zeit an.

156 Kinder in den vier Schuleinzugsgebieten

Nach Angaben der Stadt werden in diesem Jahr 156 Kinder eingeschult. Auf die vier kommunalen Schuleinzugsgebiete verteilen sie sich mit 10 Kindern in Golzwarden, 56 in Boitwarden, 56 in Harrien und 34 im Bereich Kirchhammelwarden.

Diese Zahlen sind jedoch nicht mit den tatsächlichen Schülerzahlen der einzelnen Schulen gleichzusetzen. Die Stadt weist darauf hin, dass sowohl die katholische Eichendorffschule als auch eine freie Schule kein eigenes Schuleinzugsgebiet haben. Kinder aus den verschiedenen Bezirken können daher auch dort eingeschult werden.

Stadt sagt Erfüllung des Rechtsanspruchs zu

Auf die zentrale Frage, ob zum Schulstart sämtliche beantragten Ganztagsplätze beziehungsweise der gesetzliche Betreuungsanspruch erfüllt werden können, antwortet die Stadt eindeutig: Der Rechtsanspruch für die Kinder der ersten Klassen könne erfüllt werden. In Golzwarden stehe zusätzlich der Hort zur Verfügung, der den Rechtsanspruch ebenfalls erfülle und derzeit noch freie Plätze habe.

Wie viele Erstklässler tatsächlich für den Ganztag angemeldet wurden, konnte die Stadt jedoch nicht nennen. Die Anmeldung und Organisation der Ganztagsangebote liege in der Selbstverwaltung der jeweiligen Schulen. Damit gibt es bislang keine von der Stadt veröffentlichte schulscharfe Gegenüberstellung von Nachfrage und belegten Ganztagsplätzen.

Betreuungszeiten werden von den Schulen organisiert

Auch zu den konkreten täglichen Betreuungszeiten verweist die Stadt auf die einzelnen Schulen. Die Ausgestaltung und Organisation des Ganztagsangebots liege in deren Verantwortung.

Der bundesweite Rechtsanspruch sieht einen Betreuungsumfang von acht Stunden an fünf Werktagen vor; die Unterrichtszeit wird angerechnet. In Niedersachsen wird der Anspruch ab dem Schuljahr 2026/27 zunächst für die erste Klassenstufe eingeführt und in den Folgejahren schrittweise ausgeweitet.

Neue Mensen in Boitwarden und Golzwarden noch nicht fertig

Konkrete Einschränkungen nennt die Stadt im räumlichen Bereich. In den Grundschulen Boitwarden und Golzwarden stehen die Neubauten der Mensen noch aus. Für die Übergangszeit müssen deshalb andere Lösungen für die Mittagsversorgung genutzt werden.

Zur personellen Situation kann die Stadt nach eigener Aussage keine belastbare Auskunft geben. Die personelle Ausstattung des schulischen Ganztagsangebots erfolge durch das Land Niedersachsen. Ob es an einzelnen Schulen personelle Engpässe gibt, bleibt damit in der Antwort der Kommune offen.

Herbstferien: Details stehen noch aus

Offen bleibt außerdem die konkrete Ferienbetreuung. Bereits im November 2025 hatte die Stadt darauf verwiesen, dass die Organisation für die Herbstferien 2026 von der Umsetzung des neuen Rechtsanspruchs abhänge. Auf die aktuelle Nachfrage teilte Bürgermeister Michael Kurz lediglich mit, hierzu werde es in Kürze detaillierte Informationen geben.

Der Punkt ist relevant, weil der Rechtsanspruch grundsätzlich auch während der Schulferien gilt. Nach den bundesrechtlichen Vorgaben kann eine Schließzeit von maximal vier Wochen vorgesehen werden.

Pestalozzischule: acht Stunden Betreuung gesichert

Für die Pestalozzischule, die in Trägerschaft des Landkreises Wesermarsch steht, liegen inzwischen eigene Angaben des Kreises vor. Zum Schuljahr 2026/27 werden dort statistisch 43 Kinder der ersten Klasse zugerechnet, davon 19 neu eingeschulte Kinder. Die Differenz erklärt der Landkreis mit der besonderen Organisation der Förderschule: Die erste Klasse dauert dort zwei Jahre, sodass die im vergangenen Jahr eingeschulten Kinder statistisch weiterhin zum ersten Jahrgang gehören.

Zur täglichen Betreuungszeit hatte der Landkreis zunächst acht Unterrichtsstunden von 7.50 bis 15.15 Uhr genannt. Auf Nachfrage der Braker Zeitung präzisierte die Kreisverwaltung ihre Angabe: Die Betreuung sei ergänzend zur Unterrichtszeit von 7.30 bis 15.30 Uhr gewährleistet. Damit werden die gesetzlich vorgesehenen acht Zeitstunden erreicht.

Derzeit erfolgt das Angebot nach Angaben des Landkreises an vier Tagen, weil kein Bedarf für einen fünften Tag angemeldet worden sei. Auf die Frage, ob ein anspruchsberechtigtes Kind auch am fünften Werktag betreut werden könnte, wenn Eltern diesen Bedarf geltend machen, antwortete der Landkreis: „Dies könnte gewährleistet werden.“ Wie viele Kinder den Ganztag tatsächlich nutzen werden, steht noch nicht fest, da die Anmeldung nach Kreisangaben noch läuft.

Einen räumlichen Engpass bestätigt der Landkreis allerdings: An der Pestalozzischule ist keine Mensa vorhanden. Nähere Angaben dazu, wie die Mittagsverpflegung unter diesen Bedingungen organisiert wird, machte der Kreis in seiner Antwort nicht.

Ferienbetreuung an der Pestalozzischule noch offen

Auch beim Landkreis ist die konkrete Umsetzung des Rechtsanspruchs während der Schulferien noch nicht abschließend geklärt. Auf die Frage, bis wann feststehen soll, wie die Betreuung insbesondere in den Herbstferien 2026 umgesetzt wird und wer sie übernimmt, antwortete der Landkreis lediglich: „Bis zu den Herbstferien.“

Damit ist zwar der reguläre Ganztag an der Pestalozzischule nach Angaben des Kreises grundsätzlich abgesichert. Wer die Ferienbetreuung übernimmt, wo sie stattfindet und wie sie konkret organisiert wird, ist derzeit aber noch nicht benannt.

Einordnung

Die zentralen Zusagen von Stadt und Landkreis stehen: Nach ihren Angaben kann der neue Rechtsanspruch für die anspruchsberechtigten Erstklässler erfüllt werden. Für die Pestalozzischule sind inzwischen auch die acht Stunden täglich konkret benannt; ein fünfter Betreuungstag könnte bei entsprechendem Bedarf gewährleistet werden.

Offen bleiben vor allem praktische Fragen. In Boitwarden und Golzwarden sind die neuen Mensen noch nicht fertig, an der Pestalozzischule fehlt ebenfalls eine Mensa. Zudem ist die konkrete Ferienbetreuung weder von der Stadt noch für die Pestalozzischule abschließend veröffentlicht. Die Braker Zeitung wird die Angaben ergänzen, sobald die angekündigten Informationen vorliegen.