Varel/Wesermarsch. Die Geburtshilfe am St. Johannes-Hospital in Varel ist für die Wesermarsch von erheblicher Bedeutung. Nach Angaben der Friesland Kliniken entfällt seit mehreren Jahren rund ein Drittel der dort betreuten Geburten auf Frauen mit Wohnsitz im Landkreis Wesermarsch.

2025 wurden in der Frauenklinik in Varel insgesamt 680 Kinder geboren. Anfang September kam dort nach Angaben der Klinik bereits das 400. Neugeborene des Jahres 2026 zur Welt.

Ein Drittel entspricht rechnerisch rund 227 Geburten

Die Braker Zeitung hatte ausdrücklich danach gefragt, wie viele oder welcher Anteil der Geburten des Jahres 2025 auf Frauen aus der Wesermarsch entfiel. Die Klinik nannte darauf keinen exakten Wert für 2025, sondern erklärte, in den vergangenen Jahren seien es rund ein Drittel gewesen.

Überträgt man diesen Anteil rein rechnerisch auf die 680 Geburten des Jahres 2025, ergäbe sich eine Größenordnung von rund 227 Geburten. Das ist keine von der Klinik bestätigte Zahl für 2025, sondern lediglich eine rechnerische Einordnung des genannten Anteils.

Nordenham: Klinik bewertet mögliche Auswirkungen noch nicht

Hintergrund der Anfrage ist die öffentlich diskutierte Wiederaufnahme einer Geburtshilfe in Nordenham. Die Friesland Kliniken wollten mögliche Auswirkungen auf die Geburtenzahlen in Varel derzeit nicht einschätzen.

Zur Begründung teilte die Klinik mit, ihr lägen bislang keine offiziellen Aussagen oder Pläne zur Wiederaufnahme der Geburtshilfe in Nordenham vor. Deshalb könne man dazu aktuell keine Einschätzung abgeben.

Keine gesetzliche Mindestzahl an Geburten

Für den dauerhaften Betrieb einer Geburtsklinik gibt es nach Angaben der Friesland Kliniken keine gesetzlich vorgeschriebene Mindestfallzahl an Geburten. Die Frauenklinik in Varel sei als Geburtsklinik zertifiziert und erfülle die notwendigen Voraussetzungen bei Personal und Ausstattung.

Damit lässt sich aus sinkenden oder steigenden Geburtenzahlen allein nicht ableiten, ob eine Geburtshilfe fortgeführt werden kann. Entscheidend sind daneben die medizinischen, personellen und strukturellen Voraussetzungen des Standortes.

Geburtshilfe bleibt Teil des Gesundheitscampus Varel

Auch an den derzeitigen Planungen für Varel ändert die Diskussion um Nordenham nach Angaben der Friesland Kliniken zunächst nichts. Das St. Johannes-Hospital soll zu einem Gesundheitscampus mit ambulanten und stationären Leistungen ausgebaut werden.

Die Frauenklinik mit ihren stationären Leistungen in Gynäkologie und Geburtshilfe sei nach dem bestehenden, von den politischen und aufsichtsrechtlichen Gremien festgelegten Zielbild ein fester Bestandteil dieser Planungen.

Was die Zahlen für die Wesermarsch zeigen

Die Angaben aus Varel zeigen vor allem, wie stark die Versorgung dort mit der Wesermarsch verbunden ist. Rund ein Drittel ist kein Randanteil. Wie groß das tatsächliche Potenzial für eine mögliche Geburtshilfe in Nordenham wäre, lässt sich daraus allein jedoch nicht bestimmen.

Dafür müsste zusätzlich bekannt sein, wie viele Frauen aus der Wesermarsch insgesamt pro Jahr entbinden und auf welche Kliniken sich diese Geburten verteilen. Erst mit diesen Zahlen lässt sich belastbar einordnen, welchen Anteil ein Standort in Nordenham tatsächlich übernehmen könnte.