Niedersachsen - Vanessa Behrendt, seit 2022 im Landtag in Hannover, meldete sich beim Verein „Fortuna Animali“. Ihre Familie interessierte sich für Setia, eine im Januar 2025 geborene Setter-Hündin, die der Verein in Italien zur Vermittlung anbietet.

Ein Gespräch über die Haltung des Tieres kam nicht zustande. Nach den veröffentlichten Berichten erhielt die Abgeordnete rund 15 Minuten später über WhatsApp eine schriftliche Absage. Die Begründung des Vereins: „Sicherlich ist Ihnen bewusst, dass wir Auslandstierschutz machen. Aufgrund Ihrer politischen Zugehörigkeit sehen wir von einer Adoption eines ausländischen Hundes an Sie ab!“

Fragen zur Wohnsituation, zur Zeit für das Tier oder zur Hundeerfahrung stellte der Verein nach den vorliegenden Berichten nicht. Das ist der entscheidende Widerspruch: Im offiziellen Vermittlungsablauf von Fortuna Animali ist eine mehrstufige Prüfung beschrieben. Politische Einstellungen tauchen dort als Kriterium nicht auf. Eine Nachfrage, warum die Parteizugehörigkeit dennoch den Ausschlag gab, ließ der Verein zunächst unbeantwortet.

Der Kriterienkatalog kennt kein Parteibuch

Fortuna Animali beschreibt auf seiner eigenen Internetseite einen klaren Ablauf: erster Kontakt, Selbstauskunft, Fragen zu Hundeerfahrung und Wohnsituation, ein weiteres Telefonat und schließlich eine Vorkontrolle. Erst danach soll feststehen, ob Mensch und Hund zusammenpassen.

Bei Behrendt kam diese Prüfung gar nicht erst in Gang. Nach den veröffentlichten Nachrichten reichte die Parteizugehörigkeit für das Nein.

Der Vorgang wird zur Realsatire

Behrendt arbeitete vor ihrem Einzug in den Landtag als selbstständige Hundetherapeutin. Das bestätigt der Niedersächsische Landtag in ihrer offiziellen Biografie. Nach eigenen Angaben war sie zudem viele Jahre im Tierschutz aktiv und hat bereits früher Hunde aus dem Ausland aufgenommen.

Das beweist noch nicht, dass sie automatisch die richtige Halterin für Setia gewesen wäre. Genau dafür hat der Verein sein mehrstufiges Verfahren. Nur wurde dieses Verfahren hier nicht zu Ende geführt. Die Fachfrau mit umfangreicher Hundeerfahrung bekommt keine Prüfung ihrer Eignung, sondern eine Absage wegen der politischen Zugehörigkeit.

Setia hat keine Partei

Die Verliererin dieses Auswahlverfahrens hat derweil keine Partei. Setia steht auf der Vermittlungsseite des Vereins weiterhin als mittelgroße Hündin, geboren am 1. Januar 2025.

Der Verein hat offiziell ein mehrstufiges Verfahren, um zu prüfen, ob Mensch und Hund zusammenpassen. Bei Vanessa Behrendt kam diese Prüfung gar nicht erst in Gang.

15 Minuten nach der Anfrage war nicht der Hund geprüft. Sondern die Partei.