NIEDERSACHSEN/WESERMARSCH. Die Impfquoten gegen Grippe sind bundesweit auf einen Tiefstand gefallen. In der Saison 2024/25 waren nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) lediglich 34 Prozent der Menschen ab 60 Jahren gegen Influenza geimpft. Bei Erwachsenen ab 18 Jahren mit bestimmten Grunderkrankungen lag die Quote bei 28 Prozent.
Beide Werte erreichten nach Angaben des RKI ihren bislang niedrigsten Stand. Es handelt sich dabei um bundesweite Daten, nicht um eine gesonderte Auswertung für Niedersachsen oder die Wesermarsch.
Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband Niedersachsen nimmt diese Entwicklung zum Anlass, am 8. Oktober seine Hausärztlichen Impfwochen zu starten. Patienten sollen ihren Impfstatus überprüfen lassen und sich bei Bedarf in ihrer Hausarztpraxis beraten lassen.
Grippe kann für Risikogruppen gefährlich werden
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt eine jährliche Grippeschutzimpfung insbesondere Menschen ab 60 Jahren, Schwangeren sowie Personen mit bestimmten chronischen Erkrankungen. Dazu zählen beispielsweise Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und chronische Atemwegserkrankungen.
Für Menschen ab 60 Jahren empfiehlt die STIKO einen Hochdosis-Impfstoff oder einen sogenannten MF-59-adjuvantierten Impfstoff.
„Eine echte Grippe ist gerade für ältere Menschen und Patientinnen und Patienten mit Vorerkrankungen keine Bagatelle“, erklärt Dr. Matthias Berndt, Landesvorsitzender des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes Niedersachsen.
Die Impfung kann das Erkrankungsrisiko verringern, bietet jedoch keinen vollständigen Schutz. Wie bei anderen medizinischen Maßnahmen sind Nebenwirkungen möglich. Nutzen und Risiken sollten deshalb insbesondere bei bestehenden Erkrankungen im persönlichen ärztlichen Gespräch besprochen werden.
Corona: Die Impfempfehlungen haben sich geändert
Die Impfwochen beschränken sich nicht auf Influenza. Der Hausärzteverband empfiehlt außerdem, den allgemeinen Impfstatus überprüfen zu lassen. Dazu gehört gegebenenfalls auch eine Corona-Impfung.
Allerdings gelten seit Juli 2026 neue Empfehlungen der STIKO.
Die Altersgrenze für eine jährliche Corona-Standardimpfung wurde von 60 auf 75 Jahre angehoben. Gesunden Erwachsenen unter 75 Jahren wird damit grundsätzlich keine jährliche Auffrischimpfung mehr empfohlen.
Für Menschen mit bestimmten Grunderkrankungen, Bewohner von Pflegeeinrichtungen sowie weitere Risikogruppen gelten weiterhin besondere Empfehlungen.
Zugleich hat die STIKO ihre frühere allgemeine Empfehlung zum Aufbau einer Basisimmunität bei Erwachsenen aufgehoben. Als Grund nennt sie unter anderem die inzwischen weit verbreitete Immunität durch frühere Infektionen und Impfungen sowie die veränderte Krankheitslage.
Damit unterscheiden sich die Empfehlungen für Grippe und Corona erheblich. Eine pauschale jährliche Impfempfehlung für alle Erwachsenen gibt es nicht.
Welche Angebote gibt es in der Wesermarsch?
Nach Angaben des niedersächsischen Hausärzteverbandes stehen während der Impfwochen zahlreiche Termine zur Verfügung. In vielen Praxen seien auch spontane Impfungen möglich.
Ob dies auch für Hausarztpraxen in Brake, Nordenham, Elsfleth, Ovelgönne und den übrigen Gemeinden der Wesermarsch gilt, lässt die Mitteilung offen.
Ebenso fehlen konkrete Angaben darüber, wie hoch die Grippeimpfquoten im Landkreis sind und wie viele Praxen sich an der Aktion beteiligen.
Die Braker Zeitung wird diesen regionalen Fragen weiter nachgehen. Sobald belastbare Auskünfte vorliegen, wird die Berichterstattung entsprechend ergänzt.
Impfpass mitbringen und Empfehlungen prüfen
Wer seinen Impfstatus überprüfen lassen möchte, kann nach Angaben des Verbandes den Impfpass zum nächsten Hausarztbesuch mitbringen. Dort lässt sich klären, welche Impfungen nach den geltenden Empfehlungen vorgesehen sind und welche individuellen gesundheitlichen Umstände berücksichtigt werden müssen.
Entscheidend ist eine informierte Entscheidung. Dazu gehören die medizinische Beratung, die aktuellen Empfehlungen und eine verständliche Aufklärung über den möglichen Nutzen und die Risiken einer Impfung.
Quellen: RKI: STIKO-Empfehlungen zur Influenza (10.09.2026) · RKI: COVID-19-Impfempfehlung (27.07.2026) · RKI: Bericht zur Saison 2025/26, Impfquoten 2024/25 · Pressemitteilung des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes Niedersachsen vom 08.10.2026.
