Deutschland. 17 Cent weniger pro Liter klingen nach einer spürbaren Entlastung. Genau diese Größenordnung stellt die Bundesregierung für den neuen Tankrabatt in Aussicht. Bund und Länder haben sich darauf verständigt, die Energiesteuer auf Benzin und Diesel bis Ende 2026 um 14 Cent je Liter zu senken. Weil dadurch auch weniger Umsatzsteuer anfällt, ergibt sich rechnerisch eine Gesamtentlastung von rund 17 Cent pro Liter. Die Regelung soll zum 1. Oktober umgesetzt werden.
Wichtig ist der Unterschied zwischen Steuersenkung und Tankstellenpreis: Die 17 Cent sind keine staatlich garantierte Preissenkung an jeder Zapfsäule. Kraftstoffpreise bleiben Marktpreise. Rohöl, Wechselkurs, Raffineriekosten, Großhandel, Wettbewerb und die Preisstrategie der einzelnen Tankstellen wirken weiter auf den Endpreis.
Was 17 Cent bei den aktuellen Preisen bedeuten
Der ADAC meldete für den 17. September bundesweit durchschnittlich 2,308 Euro je Liter Super E10 und 2,471 Euro je Liter Diesel. Unter der rein rechnerischen Annahme, dass die gesamte Steuerentlastung von 17 Cent weitergegeben wird und sich alle anderen Preisfaktoren nicht verändern, ergäben sich daraus 2,138 Euro für E10 und 2,301 Euro für Diesel.
Bei einer Tankfüllung von 50 Litern entspricht die maximale rechnerische Entlastung 8,50 Euro. Eine E10-Füllung würde bei den genannten Ausgangspreisen von 115,40 Euro auf 106,90 Euro sinken. Bei Diesel wären es statt 123,55 Euro noch 115,05 Euro.
Deutlich über dem Februar-Niveau
Der Vergleich mit dem Februar zeigt die Größenordnung des Preisanstiegs. Damals kostete Super E10 im Monatsdurchschnitt 1,760 Euro je Liter, Diesel 1,722 Euro. Selbst nach einer vollständig weitergegebenen Entlastung von 17 Cent läge E10 auf Basis der aktuellen Werte damit noch 37,8 Cent je Liter über dem Februar-Niveau. Beim Diesel wären es 57,9 Cent.
Auf 50 Liter gerechnet wären das trotz Tankrabatt noch 18,90 Euro mehr für E10 und 28,95 Euro mehr für Diesel als beim jeweiligen Februar-Durchschnitt. Der Rabatt senkt also die Belastung gegenüber einem ansonsten gleichen aktuellen Preisniveau, stellt aber das frühere Preisniveau nicht wieder her.
3.558,74 Euro in 14 Tagen: Malermeister nennt seine Kraftstoffkosten
Welche Größenordnung Kraftstoffkosten für einen Handwerksbetrieb erreichen können, schildert Malermeister Jens Hardt aus Goch in einem öffentlichen TikTok-Beitrag. Hardt veröffentlicht unter dem Nutzernamen @jenshardt935. In dem Video mit der Einblendung „Ich kann nicht mehr“ nennt er 3.558,74 Euro für Benzin und Diesel innerhalb von 14 Tagen. Nach seiner Darstellung entstehen diese Kosten, „nur um arbeiten zu können“.
Die genannte Summe ist eine öffentliche Eigenangabe Hardts. Die Braker Zeitung hat weder die zugrunde liegenden Tankbelege noch Betriebsabrechnungen geprüft. Unabhängig verifizieren lässt sich, dass Jens Hardt in Goch einen Malermeisterbetrieb führt. Das Beispiel ist deshalb keine statistische Aussage über das gesamte Handwerk, zeigt aber, welche absolute Größenordnung Kraftstoffkosten bei fahrintensiven Betrieben erreichen können.
Wie stark die geplante Steuerentlastung einen solchen Betrieb tatsächlich entlasten würde, lässt sich aus dem Euro-Betrag allein nicht berechnen. Dafür müsste bekannt sein, wie viele Liter im genannten Zeitraum getankt wurden und welche Kraftstoffarten zu welchen Preisen enthalten sind.
Originalbeitrag von Jens Hardt auf TikTok ↗
Der erste Tankrabatt liefert bereits Vergleichsdaten
Die Konstruktion ist nicht neu. Vom 1. Mai bis 30. Juni 2026 wurde die Energiesteuer schon einmal um rund 14 Cent je Liter reduziert; einschließlich Umsatzsteuer lag die rechnerische Entlastung ebenfalls bei etwa 16,7 bis 17 Cent.
Die Monopolkommission untersuchte damals, wie viel davon tatsächlich bei den Autofahrern ankam. Nach anfänglicher Verzögerung wurde die Steuersenkung in erheblichem Umfang weitergegeben. In einer Auswertung vom 19. Mai schätzte die Kommission gegenüber Frankreich ohne TotalEnergies eine Weitergabe von 15,5 Cent bei E10, 15,6 Cent bei Super und 14,2 Cent bei Diesel. Zugleich wies sie darauf hin, dass ein Teil des damaligen Preisrückgangs auf sinkende Rohölpreise zurückging.
Im späteren Policy Brief fasste die Monopolkommission das Ergebnis entsprechend zusammen: Der Tankrabatt sei zu einem großen Teil, aber nicht vollständig an die Verbraucher weitergegeben worden. Zudem habe es regionale Unterschiede gegeben.
Der Rabatt ist real, der Endpreis bleibt offen
Damit lässt sich der neue Tankrabatt weder als wirkungslos noch als feste 17-Cent-Preissenkung beschreiben. Die Steuerentlastung ist real. Wie viel davon ab Oktober an der einzelnen Tankstelle sichtbar wird, hängt aber von der weiteren Marktentwicklung und der tatsächlichen Weitergabe ab.
Für die Einordnung ist deshalb nicht nur entscheidend, ob der Preis nach dem 1. Oktober fällt. Entscheidend ist auch, wie sich Rohölpreis, Wechselkurs und Großhandelspreise parallel entwickeln. Erst dieser Vergleich zeigt, welcher Teil einer Veränderung tatsächlich auf die Steuerentlastung zurückgeht.