New York/Berlin - Johann Wadephul und Sergej Lawrow trafen sich am 26. September am Rande der UN-Generalversammlung in New York. Es war nach Reuters-Angaben das erste bilaterale Treffen der Außenminister Deutschlands und Russlands seit 2022. Über die politische Distanz zwischen beiden Seiten ließ der Termin keinen Zweifel.
Lawrow zog anschließend eine besonders knappe Bilanz. Der deutsche Außenminister habe nach seiner Darstellung im Wesentlichen jene Positionen vorgetragen, die Berlin ohnehin öffentlich vertrete. Für Lawrow war daran „nichts Neues“.
Lawrows Spitze trifft auf eine deutsche Bestätigung
Das ist zunächst die russische Darstellung. Interessant wird sie durch die Antwort des Auswärtigen Amts zwei Tage später.
In der Regierungspressekonferenz erklärte Ministeriumssprecher Christian Hinterseher, bei dem Gespräch sei festgestellt worden, dass zwischen den öffentlich vertretenen deutschen Positionen und den Positionen im direkten Gespräch „keine Differenz“ bestehe.
Damit bestätigt Berlin einen wesentlichen Tatsachenkern hinter Lawrows Spitze: Wadephul vertrat gegenüber Lawrow keine grundsätzlich andere Linie als jene, die aus öffentlichen Erklärungen der Bundesregierung bereits bekannt war. Ob daraus tatsächlich folgt, dass das Gespräch inhaltlich wertlos war, ist eine Bewertung. Genau diese Bewertung teilen Berlin und Moskau nicht.
Warum Wadephul trotzdem mit Lawrow sprach
Nach Darstellung des Auswärtigen Amts bündelten sich in dem Treffen drei Themen: die deutsche Reaktion auf den Drohnenvorfall von Leipzig, die Getreideexporte aus der Schwarzmeerregion und die europäische Sicherheit.
Beim Thema Getreide hatte Deutschland nach Angaben des Ministeriums zuvor Bitten verschiedener Staaten erhalten, sich für eine Verbesserung der Versorgungslage einzusetzen. Berlin wollte deshalb ausloten, ob Bewegung bei den Exporten über das Schwarze Meer möglich ist.
Über die formale Anbahnung des Treffens gibt es unterschiedliche Darstellungen. Die russische Seite erklärte, Wadephul habe um das Gespräch gebeten. Das Auswärtige Amt bestätigte diese Darstellung auf Nachfrage ausdrücklich nicht. Fest steht: Das Treffen kam zustande, und beide Außenminister nutzten es für einen direkten Positionsabgleich.
Ein konkretes Ergebnis nennt Berlin nicht
Auf die Frage, was beim Getreidethema herausgekommen sei, konnte das Auswärtige Amt am 28. September „kein konkretes Ergebnis“ mitteilen. Zugleich bezeichnete der Sprecher den Versuch, diplomatisch Bewegung in die Sache zu bringen, als einen Anfang.
Die Bundesregierung wertete den Positionsabgleich insgesamt als weitgehend ernüchternd und erklärte, die Positionen lägen meilenweit auseinander. Lawrows Wertung, das Treffen sei sinnlos gewesen, wies das Auswärtige Amt allerdings ausdrücklich zurück.
Berlin kannte das Risiko der Bilder
Bemerkenswert ist noch ein anderer Satz aus der Regierungspressekonferenz. Dem Auswärtigen Amt war nach eigener Aussage der „propagandistische Mehrwert“ eines persönlichen Treffens bewusst. Russland habe diesen anschließend auch genutzt.
Berlin ging also in ein Gespräch, dessen öffentliche Verwertung durch Moskau einkalkuliert war. Der deutsche Gegenpunkt lautet: Gerade ein persönliches Treffen ermögliche es, Positionen direkt zu übermitteln und die Gegenseite ohne Umweg mit den eigenen Anliegen zu konfrontieren.
Was nach dem Treffen stehen bleibt
Lawrows Satz von den fehlenden Neuigkeiten ist russische Wertung. Die deutsche Seite liefert ihm jedoch einen überprüfbaren Tatsachenkern: Die Positionen, die Wadephul im Gespräch vertrat, unterschieden sich nach eigener Aussage des Auswärtigen Amts nicht von der öffentlichen deutschen Linie.
Berlin hält das Treffen deshalb nicht für nutzlos. Es verweist auf den direkten Positionsabgleich, die Getreidefrage und die Botschaft zu Leipzig. Moskau wiederum stellt heraus, dass es politisch nichts Neues gehört habe.
Ein konkretes Ergebnis, das über diesen Positionsabgleich hinausgeht, konnte das Auswärtige Amt zwei Tage später nicht nennen.
