Das amtliche Endergebnis der Kommunalwahl zeigt eine Partei im Aufwind. Im Kreistag der Wesermarsch holt die AfD 23.198 Stimmen, erreicht 17,96 Prozent und zieht mit acht Mandaten ein. Auch in der Stadt Brake liegt der Zuspruch bei 17,8 Prozent, was rechnerisch sechs Sitzen im Stadtrat entspricht. Doch wer in Brake AfD wählte, wählte ein Phantom: Da die Partei mit David Möglich und Anja Duhm lediglich zwei Kandidaten aufstellte, bleiben vier gewonnene Ratssitze unbesetzt.
Dass es der Partei an Personal mangelt, ist statistisch nicht zu belegen. Der AfD-Ortsverband Wesermarsch vermeldet ein massives Wachstum: Von 61 Mitgliedern im Herbst 2024 stieg die Zahl bis Ende Oktober 2026 auf 182 Mitglieder an. Es gibt also Parteibücher, aber niemanden, der sie in ein öffentliches Amt tragen will.
Fraktionschef David Möglich benennt den Grund für die leeren Stühle im Rat direkt: Der hohe soziale und berufliche Druck halte mögliche Bewerber ab. Anfeindungen und die Sorge vor beruflichen Nachteilen würden das Personal verschrecken.
Dieses Klima der Deckung bestätigte sich bereits vor der Wahl. Bürger äußerten in privaten Gesprächen durchaus inhaltliche Zustimmung zu Positionen der AfD, machten aber zeitgleich deutlich, dass sie diese Haltung aus Sorge vor Ausgrenzung und Anfeindungen niemals öffentlich vertreten würden. Die Wahlurne ist geheim und schützt das Kreuz. Eine Kandidatenliste verlangt einen Namen, eine Adresse und ein Gesicht.
Die AfD in der Wesermarsch wächst in der Deckung. Sie sammelt Stimmen und Mitglieder, scheitert aber an der harten Währung der Kommunalpolitik: der öffentlichen Sichtbarkeit. Wer vier Mandate im Stadtrat einfach verfallen lassen muss, weil die eigenen Anhänger berufliche oder soziale Ächtung fürchten, offenbart ein massives politisches Defizit. Solange das Stigma der Partei schwerer wiegt als der Wille zur Gestaltung, bleibt die AfD an den Schalthebeln der Stadtpolitik nur ein halber Faktor.




