Diplomatisches Patt

Der Kreml lehnte am 12. Oktober einen von Kiew vorgeschlagenen 60-tägigen Waffenstillstand ab, der die Durchführung ukrainischer Präsidentschaftswahlen ermöglichen sollte. Moskau will keine vorübergehende Feuerpause, sondern eine langfristige Friedensvereinbarung.

Die Europäische Kommission unterstützt unterdessen die ukrainische Forderung nach einer Waffenruhe zum Schutz der Energieinfrastruktur und der Lebensmittelversorgung. Gerade mit Blick auf den bevorstehenden Winter ist das von erheblicher Bedeutung. Die beiden Vorschläge haben unterschiedliche Schwerpunkte.

Das Ergebnis ist ein diplomatisches Patt: Alle sprechen vom Frieden, während die russischen Angriffe auf die Ukraine weitergehen. Gesprächsbereitschaft ist nachweisbar. Ein gegenseitig akzeptierter Friedensschluss ist es nicht.

Die Bilanzen des Krieges

Zu den wirtschaftlichen Gewinnern der anhaltenden Aufrüstung gehören Unternehmen, deren Geschäftszahlen inzwischen eine deutliche Sprache sprechen.

Die globalen Militärausgaben kletterten laut SIPRI im Jahr 2025 auf einen Rekordwert von 2.887 Milliarden US-Dollar. Rheinmetall meldete für das erste Halbjahr 2026 ein Plus von 74 Prozent beim operativen Ergebnis. Die Bundesbank erwartet, dass höhere staatliche Ausgaben, insbesondere für Verteidigung, das deutsche Wirtschaftswachstum in den kommenden Jahren stützen werden.

Die Realsatire der aktuellen Weltpolitik lautet: Während die Regierungen über Frieden sprechen, ist die Aufrüstung längst zu einem gewichtigen Wirtschaftsfaktor geworden.

Höhere Energiepreise, Zerstörungen und zusätzliche Staatsschulden belasten die Allgemeinheit. Für ausgewählte Branchen dagegen sind die steigenden Verteidigungsausgaben ein ausgezeichnetes Geschäft.

Das beweist noch nicht, dass Regierungen einen Krieg wegen dieser Gewinne verlängern. Es zeigt aber, wie stark wirtschaftliche Interessen inzwischen mit der militärischen Aufrüstung verflochten sind.

Und wenn die eigenen Interessen es erfordern, wird auch mit Russland wieder Handel ermöglicht. Das Dieselgeschäft zwischen Washington und Moskau liefert dafür ein bemerkenswertes Beispiel.

Am 9. Oktober erteilte das amerikanische Finanzministerium eine Ausnahmelizenz für Geschäfte mit russischem Diesel. US-Präsident Donald Trump kündigte Lieferungen für den amerikanischen und den internationalen Markt an. Ein bereits erfolgter Import in die USA ist damit nicht belegt.

Für Diesel eine Ausnahme. Für Frieden keine Einigung.

Die Frage ist nicht, ob die beteiligten Mächte irgendwann miteinander sprechen wollen. Sie tun es längst. Auch über wirtschaftliche Interessen, Energie und Rohstoffe.

Gerade deshalb fällt der Gegensatz so deutlich aus: Für russischen Diesel findet Washington binnen weniger Tage eine sanktionsrechtliche Ausnahme. Über die Bedingungen eines Waffenstillstands können sich Moskau und Kiew weiterhin nicht einigen.

Die wirtschaftlichen Gewinne erklären nicht allein, weshalb dieser Krieg andauert. Aber sie gehören zur politischen Wirklichkeit, die hinter den Friedensversprechen oft erstaunlich wenig Beachtung findet.

UNSER FAZIT

Der Diesel bekommt seine Genehmigung. Der Frieden wartet weiter.