Wesermarsch - Die SPD will im neuen Wesermarsch-Kreistag „Verantwortung übernehmen“.

Das klingt nach Führung.

Die Mathematik klingt nüchterner.

Mit elf von 42 gewählten Sitzen stellt die SPD zwar die stärkste Fraktion, ist aber weit davon entfernt, allein den Kurs bestimmen zu können.

Die Genossen feiern derzeit ihren „Generationenwechsel“. Das Durchschnittsalter der Fraktion sinke von 68 auf 55,7 Jahre.

Ein brauchbarer PR-Satz.

Nur beschließt ein niedrigeres Durchschnittsalter noch keinen Haushalt, besetzt keinen Ausschuss und organisiert keine Mehrheit.

Selbst wenn sich SPD und CDU mit ihren zehn Sitzen zusammentun, stehen am Ende 21 gewählte Mandate zusammen.

Das ist exakt die Hälfte der 42 gewählten Kreistagsmitglieder.

Nur besteht die Vertretung nicht aus 42 Mitgliedern.

Landrat Stephan Siefken gehört ihr kraft Amtes ebenfalls an und ist stimmberechtigt.

21 von 43 sind keine Mehrheit.

Personal steht, Machtfrage offen

SPD und Grüne haben ihre personellen Reihen inzwischen sortiert.

Die Grünen gehen mit sechs Sitzen in die neue Wahlperiode. Fraktionsvorsitzende ist Mareike Suhr-Krippner.

Andere ziehen bereits die ersten Grenzen.

Die Linke, ausgestattet mit zwei Mandaten, erklärt, die CDU habe Gespräche mit ihr von vornherein ausgeschlossen.

Eine öffentliche Bestätigung der CDU für diese Darstellung liegt der Redaktion bislang nicht vor.

Die Linke wiederum schließt eine Zusammenarbeit mit der AfD kategorisch aus.

Damit wird aus politischer Abgrenzung sehr schnell politische Mathematik.

Acht AfD-Sitze verschwinden nicht

Die AfD verfügt im neuen Kreistag über acht Mandate.

Damit stellt sie die drittstärkste Kraft.

Fast jedes fünfte gewählte Mandat entfällt auf sie.

Wer diese acht Sitze für Mehrheitsbildungen grundsätzlich ausklammert, kann das politisch tun.

Mathematisch verschwinden sie deshalb nicht.

Für Mehrheiten ohne die AfD bleiben 34 gewählte Mandate übrig.

Und genau dann gewinnen kleinere Kräfte an Gewicht.

Die Stunde der kleinen Fraktionen

Die Unabhängigen Wähler verfügen über drei Sitze.

FDP und Linke stellen jeweils zwei Abgeordnete.

Zusammen sind das sieben Mandate.

Sie werden den Kreistag nicht beherrschen.

Aber sie können dort entscheidend werden, wo größere Fraktionen allein keine Mehrheit zusammenbekommen.

Das gilt für Sachentscheidungen.

Es gilt für Ausschüsse.

Und es gilt für politische Funktionen.

Aus kleinen Fraktionen werden dadurch keine großen.

Aber aus kleinen Zahlen können entscheidende Zahlen werden.

Die Wahl hat die Machtfrage nicht beantwortet

Die SPD kann sich stärkste Fraktion nennen.

Die CDU bleibt nur einen Sitz dahinter.

Die AfD sitzt mit acht Mandaten im Saal.

Die Grünen haben sechs.

UW, FDP und Linke kommen zusammen auf sieben.

Spätestens wenn Ausschüsse, Vertretungen und politische Funktionen verteilt werden, endet die Phase der Pressemitteilungen.

Einen Fraktionsvorsitz kann man intern bestimmen.

Eine Mehrheit nicht.

Die Wahl hat die Sitze verteilt. Wer damit tatsächlich Macht ausüben kann, entscheidet sich erst jetzt.