Moorboden, darüber eine dicke Schicht Schlick, darauf wieder Gras für die Landwirtschaft. Was nach einer ungewöhnlichen Bauanleitung klingt, soll in der Wesermarsch einen Konflikt lösen, der seit Jahren ungelöst ist: Wie lassen sich Moore schützen, ohne landwirtschaftliche Betriebe von ihren Flächen zu verdrängen?

Das Land Niedersachsen bewilligte dem Grünlandzentrum Niedersachsen/Bremen am 7. Oktober 2026 dafür maximal 2.496.222 Euro. Der Versuch trägt den Namen „NewGreenCover“ und soll im Hammelwarder Moor stattfinden.

Das Geld ist bewilligt. Ob die Methode tatsächlich Treibhausgase einspart und sich wirtschaftlich einsetzen lässt, muss die Forschung erst zeigen.

Vier Schlickschichten und eine große Frage

Auf einer etwa 2,5 Hektar großen Versuchsfläche sollen Fluss- beziehungsweise Hafensedimente auf landwirtschaftlich genutzten Niedermoorboden aufgetragen werden. Vorgesehen sind vier Schichtdicken von 40, 60, 80 und 100 Zentimetern.

Gleichzeitig sollen die Wasserstände in angrenzenden Gräben erhöht werden. Dadurch soll weniger Sauerstoff an den Torf gelangen und dessen weitere Zersetzung gebremst werden.

Die mineralische Deckschicht wiederum soll einen tragfähigen Untergrund schaffen, auf dem Gras wachsen und landwirtschaftliche Maschinen eingesetzt werden können.

Untersucht werden die Auswirkungen auf Kohlendioxid, Methan und Lachgas. Auch die Entwicklung der Grasnarbe und die spätere landwirtschaftliche Nutzung gehören zum Forschungsprogramm.

Die Idee klingt verlockend: Das Moor bleibt nass, die Wiese bleibt nutzbar, und ausgebaggerter Schlick bekommt eine neue Verwendung.

Nur ist eine gute Idee noch kein Messergebnis.

867.500 Euro allein für die Versuchsfläche

Der 14-seitige Förderbescheid des Landwirtschaftsministeriums zeigt, wohin das Geld fließen soll.

Für die Herrichtung der Versuchsfläche sind 867.500 Euro vorgesehen. Weitere 726.780 Euro entfallen auf Personal, 497.000 Euro auf externe Dienstleistungen. Hinzu kommen Sachausgaben, Gemeinkosten, Arbeitsplatzpauschalen, Reisekosten und Veranstaltungen.

Die beantragten Gesamtausgaben betragen 2.533.038,51 Euro. Davon übernimmt das Land maximal 2.496.222 Euro. Das Grünlandzentrum muss 36.816,51 Euro aus eigenen Mitteln finanzieren.

Die Summe finanziert also nicht einfach die Bearbeitung von zweieinhalb Hektar Land. Sie umfasst die wissenschaftliche Erprobung eines Verfahrens, das möglicherweise später auf größere Flächen übertragen werden könnte.

Ob sich dieser Aufwand bei einer späteren Anwendung rechnet, gehört allerdings selbst zu den offenen Forschungsfragen.

Frühere Forschung dämpft die Erwartungen

Ganz neu ist die Idee, Moorboden mit mineralischem Material abzudecken, nicht.

Bereits im Forschungsprojekt SWAMPS untersuchten Wissenschaftler unter anderem die Auswirkungen von Kleiüberdeckungen und veränderten Wasserständen auf Treibhausgasemissionen.

Die Ergebnisse waren keineswegs durchgehend ermutigend.

In einer wissenschaftlichen Auswertung vom Dezember 2021 hielten Forscher des Thünen-Instituts fest, dass die Emissionen einer untersuchten Kleiüberdeckung keinen Unterschied zu nicht überdecktem Niedermoor im Hammelwarder Moor zeigten.

Auch die Anhebung von Wasserständen führte in den damaligen Versuchen nicht automatisch zu einer besseren Treibhausgasbilanz.

Diese Ergebnisse widerlegen NewGreenCover nicht. Das neue Projekt untersucht andere Schichtstärken und die Kombination mit einem gezielten Wassermanagement.

Sie zeigen aber, warum der erwartete Klimanutzen gemessen werden muss, statt ihn bereits vor Versuchsbeginn als Erfolg zu verkaufen.

PFAS und DDT stehen ausdrücklich im Förderbescheid

Nicht nur die Klimawirkung ist Gegenstand der Prüfung. Auch die Beschaffenheit des verwendeten Schlicks spielt eine entscheidende Rolle.

Das Landwirtschaftsministerium schreibt vor, das Material vor der Anschaffung auf PFAS und DDT untersuchen zu lassen.

PFAS sind langlebige Industriechemikalien. DDT ist ein früher eingesetztes Insektizid, dessen Rückstände noch lange in der Umwelt vorkommen können.

Das Material darf nur auf die landwirtschaftlichen Flächen gelangen, wenn die Untersuchungsergebnisse einer ordnungsgemäßen Bewirtschaftung und der Futtermittelsicherheit nicht entgegenstehen.

Ein Nachweis, dass der vorgesehene Schlick tatsächlich belastet ist, ergibt sich daraus nicht. Die Auflage zeigt vielmehr, dass mögliche Schadstoffe vor dem Einbau geprüft werden müssen.

Aus welchem Gewässer oder Hafenbereich die Sedimente konkret stammen sollen und welche Untersuchungsergebnisse bereits vorliegen, geht aus dem Förderbescheid nicht hervor.

Die Förderung ersetzt keine Genehmigung

Auch ein bewilligter Millionenbetrag macht aus einem Versuch noch keine genehmigte Baustelle.

Der Förderbescheid hält ausdrücklich fest, dass weiterhin sämtliche erforderlichen bau-, natur- und wasserrechtlichen Vorgaben gelten.

Für den geplanten Einstau von Gräben können außerdem Einverständniserklärungen benachbarter Eigentümer und Bewirtschafter erforderlich sein.

Ob diese Genehmigungen und Erklärungen bereits vorliegen, ist aus den veröffentlichten Förderunterlagen nicht ersichtlich.

Am Projekt beteiligt sind neben dem Grünlandzentrum auch die Universitäten Göttingen und Greifswald. Für wissenschaftliche Teilaufgaben dürfen Fördermittel von bis zu 283.623,65 Euro an Göttingen und 92.173,33 Euro an Greifswald weitergeleitet werden.

Ergebnisse müssen veröffentlicht werden

Das Land verlangt jährliche Berichte über Erkenntnisse, Chancen, Hindernisse und Handlungsempfehlungen. Der abschließende Verwendungsnachweis muss bis zum 30. September 2028 vorliegen.

Zwischen- und Abschlussberichte sollen nach Freigabe durch das Ministerium öffentlich zugänglich gemacht werden. Die Ergebnisse müssen anschließend fünf Jahre im Internet verfügbar bleiben.

Die eingerichtete Versuchsfläche selbst muss dem Land nach Ende des Bewilligungszeitraums weitere fünf Jahre kostenfrei für Forschungsprojekte zur Verfügung stehen.

Damit endet der Nutzen der Landesförderung zumindest nicht automatisch mit dem ersten Abschlussbericht.

Ob daraus aber eine Methode entsteht, mit der Landwirte ihre Flächen wirtschaftlich nutzen und zugleich nachweislich Treibhausgase einsparen können, ist derzeit offen.

UNSER FAZIT

Für knapp 2,5 Millionen Euro kauft Niedersachsen keine fertige Lösung. Es finanziert den Versuch, eine zu finden.