Als Steelwind im März 2025 den Ausbau seines Werkes präsentierte, war von 50 Millionen Euro Investitionen und 140 neuen Arbeitsplätzen die Rede. Ziel waren größere Stahlfundamente für leistungsfähigere Windkraftanlagen auf See. Das Unternehmen hat Teile des Programms umgesetzt, muss inzwischen aber eine Phase mit zu wenig Anschlussaufträgen einkalkulieren.
Was die Auftragslücke für den Betrieb bedeuten könnte, bleibt bislang offen. Kurzarbeit ist noch nicht beschlossen, und die Zahl potenziell betroffener Menschen steht nicht fest. Die aktuelle Einschätzung stammt aus der schriftlichen Antwort des Unternehmens auf sieben Fragen der Braker Zeitung.
400 Stammkräfte, dazu Leiharbeit und Dienstleister
Die aktuelle Stammbelegschaft umfasst nach Unternehmensangaben etwa 400 Menschen. Hinzu kommen rund 120 Leiharbeitskräfte und knapp 300 Beschäftigte externer Dienstleister, die am Standort für Steelwind tätig sind. Insgesamt sind damit ungefähr 820 Menschen in die Arbeit auf dem Werksgelände eingebunden.
Diese Größenordnung darf nicht mit 820 Beschäftigten der Steelwind Nordenham GmbH gleichgesetzt werden. Die Mitarbeiter externer Dienstleister stehen in anderen Arbeitsverhältnissen. Welche Gruppen von einer möglichen Kurzarbeit oder anderen Folgen der Auftragslücke betroffen wären, ließ Steelwind in der Antwort offen.
Auch eine konkrete Dauer oder der Zeitpunkt einer Entscheidung wurden nicht genannt. Die bereits öffentlich diskutierte Möglichkeit eines längeren Kurzarbeitszeitraums bestätigte das Unternehmen in seiner schriftlichen Antwort nicht im Einzelnen.
Warum die RWE-Vereinbarung bislang keine Sicherheit bietet
Im Oktober 2024 hatten Steelwind und der Energiekonzern RWE eine Vereinbarung zur Reservierung von Fertigungskapazitäten für bis zu 300 Monopile-Fundamente bekannt gegeben. Nach der damaligen Mitteilung sollten ab 2027 Kapazitäten für rund 200 Fundamente über zwei Jahre bereitstehen. Weitere 100 Fundamente waren als Option vorgesehen.
Diese Reservierung ist nicht gleichbedeutend mit einem bereits verbindlich abgerufenen Produktionsauftrag für sämtliche 300 Fundamente. Steelwind erklärt auf Nachfrage, dass die Vereinbarung weiterhin besteht. Zugleich sei ein Projektstart aufgrund fehlender Netzanschlüsse derzeit nicht für 2028 vorgesehen.
Die genaue Bedeutung dieser Terminangabe für den ursprünglich angekündigten Fertigungsbeginn bleibt offen. Die Mitteilung von RWE aus dem Jahr 2024 hatte bereits Windparks im Blick, die ab Ende 2029 in Betrieb gehen sollten. Entscheidend für Nordenham ist daher, welche Fertigungsaufträge wann tatsächlich abgerufen werden. Die Vereinbarung sorgt nach der aktuellen Auskunft jedenfalls nicht für eine vollständige Auslastung im Jahr 2028.
50 Millionen Euro angekündigt, Investitionsprogramm noch nicht abgeschlossen
Am 4. März 2025 berichtete der NDR über Pläne, innerhalb von zwei Jahren rund 50 Millionen Euro in das Werk zu investieren. Damals wurden etwa 360 bestehende Arbeitsplätze genannt; 140 weitere sollten hinzukommen. Ziel war es, größere und schwerere Stahlfundamente für die Offshore-Windkraft fertigen zu können.
Steelwind teilt der Braker Zeitung nun mit, dass ein Teil der Investitionen umgesetzt wurde. Neue Maschinen seien angeschafft und vorhandene Anlagen umgebaut worden. Ein weiteres Investitionspaket stehe noch aus. Künftig sollen Monopiles mit Durchmessern von bis zu 11,5 Metern hergestellt werden können.
Der seinerzeit erwähnte weitere Ausbau des Standorts betraf nach der heutigen Erläuterung insbesondere die Suche nach zusätzlichen Lagerflächen, etwa in Bremerhaven. Neue Flächen wurden bislang nicht erschlossen. Ob das ursprüngliche Ziel von 140 zusätzlichen Stellen weiterhin gilt, beantwortete Steelwind nicht ausdrücklich. Mit derzeit rund 400 Stammkräften liegt die Beschäftigung unter dem damals in Aussicht gestellten Stand von etwa 500.
Der letzte veröffentlichte Jahresabschluss zeigt noch hohe Ergebnisse
Die Aussicht auf eine spätere Auftragslücke sagt für sich genommen nichts über die aktuelle Ertragslage aus. Im veröffentlichten Jahresabschluss für 2024 weist Steelwind Umsatzerlöse von rund 401,3 Millionen Euro und ein Ergebnis nach Steuern von rund 55,9 Millionen Euro aus. Etwa 55,5 Millionen Euro wurden aufgrund eines Gewinnabführungsvertrags an die Muttergesellschaft abgeführt.
Wie sich Umsatz, Betriebsergebnis und Jahresergebnis 2025 entwickelt haben, bleibt dagegen unbekannt. Auf die entsprechende Frage der Braker Zeitung machte Steelwind keine Angaben. Vorläufige Geschäftszahlen für 2026 wurden ebenfalls nicht genannt.
China, Netzanschlüsse und die Hoffnung auf 2029
Als wesentliche Probleme nennt der Hersteller die starke Konkurrenz aus China sowie die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für europäische Offshore-Windparks. Fehlende Netzanschlüsse und gesunkene Strompreise bremsen nach Darstellung des Unternehmens neue Projekte. Steelwind fordert deshalb unter anderem schnellere Verfahren und Schutz vor unfairen Wettbewerbsbedingungen.
Langfristig erwartet der Betrieb wieder bessere Marktbedingungen. Ab 2029 werde die Nachfrage aus heutiger Sicht deutlich anziehen, heißt es in der Stellungnahme. Diese Erwartung setzt allerdings voraus, dass die bestehenden Probleme gelöst und geplante Offshore-Projekte tatsächlich umgesetzt werden.
Was für den Standort noch ungeklärt ist
Für die Menschen, die in Nordenham für Steelwind arbeiten, ist die zeitliche Lücke entscheidend. Die laufenden Projekte reichen nach Auskunft des Unternehmens bis November 2027, die erhoffte Markterholung wird erst für 2029 erwartet. Welche neuen Aufträge diese Zwischenzeit überbrücken könnten, ist nicht konkret benannt worden.
Steelwind produziert weiter und investiert in größere Anlagen. Gleichzeitig bleibt offen, ob rechtzeitig genügend verbindliche Bestellungen eingehen, um Kurzarbeit zu vermeiden. Über die tatsächlichen Folgen für Stammkräfte, Leiharbeit und Dienstleister lässt sich derzeit noch keine verlässliche Aussage treffen.
Steelwind Nordenham hat seine Produktion teilweise modernisiert, sieht für 2028 aber noch keine ausreichende Auftragsbasis. Das Unternehmen nennt ein hohes Kurzarbeitsrisiko, ohne Zahl und Dauer möglicher Maßnahmen festzulegen.
Für rund 400 Stammkräfte sowie die zahlreichen Leiharbeitskräfte und externen Dienstleister bleibt deshalb offen, wie der Zeitraum zwischen dem Ende der laufenden Projekte und der erhofften Nachfrageerholung überbrückt werden soll.
Die Investitionen zeigen, was Nordenham künftig produzieren kann. Ob rechtzeitig die Aufträge dafür kommen, ist die entscheidende Frage.



