Jahrzehntelang war es giftiger Dreck. Rückstände aus der Zinkproduktion, mit Schwermetallen belastet, abgedeckt und verwahrt. Jetzt heißt dasselbe Material plötzlich Rohstoff von morgen. Für Montag, den 12. Oktober, wurde der Beginn der Probebohrungen auf der alten Deponie Galing I angekündigt.

Das Forschungsprojekt „PolyMetalHub Nordenham“ soll klären, ob sich die abgelagerten Jarosit-Rückstände wirtschaftlich verwerten lassen. Blei, Zinkoxid, Sand und Gips könnten durch Aufbereitung und thermische Behandlung zurückgewonnen werden. Noch ist das keine industrielle Produktion, sondern ein Forschungsversuch.

Luftschlösser im Umweltausschuss

Im Juni präsentierten Wissenschaftler der Montanuniversität Leoben, Vertreter der Industrie und weitere Projektbeteiligte dem Umweltausschuss des Kreistags eine bemerkenswerte Zukunftsperspektive: 70 bis 150 neue Arbeitsplätze und die mögliche Verwertung von ein bis zwei Millionen Tonnen Deponieinhalt.

Das klingt nach einer Erfolgsgeschichte. Es ist bislang nur eine Möglichkeit.

Zunächst sind neun Probebohrungen vorgesehen. Danach folgen Laboranalysen und gegebenenfalls weitere Versuche. Ob daraus jemals eine wirtschaftlich tragfähige Anlage entsteht, hängt von technischen Ergebnissen, Genehmigungen und der Finanzierung ab. Die vorgestellten Arbeitsplätze existieren vorerst nur auf dem Papier.

Die offene Rechnung

Der entscheidende Befund liegt tiefer, als die Bohrer reichen.

Die Deponie Galing I gehört dem Landkreis Wesermarsch. Die benachbarte Altablagerung Rahden gehört Glencore. Bereits 2021 hatte der Konzern zugesagt, die Unterhaltungskosten beider stillgelegten Deponien zu übernehmen.

Jetzt könnte aus dem bisherigen Kostenfaktor eine Einnahmequelle werden.

Doch die bisherigen öffentlichen Projektinformationen beantworten nicht, nach welchen Regeln Kosten, Risiken und mögliche Erlöse verteilt werden sollen.

Wer finanziert eine spätere industrielle Verwertung? Wer haftet für Schäden durch Eingriffe in die Deponieabdeckung? Welche Rechte hat der Landkreis an verwertbaren Rohstoffen auf seinem Grundstück? Und erhält die öffentliche Hand einen Anteil, falls sich mit dem Material tatsächlich Geld verdienen lässt?

Das sind keine Nebensächlichkeiten. Es sind Fragen, die geklärt werden müssen, bevor aus einem Forschungsprojekt ein Geschäft wird.

Die Bohrungen sollen zunächst Material für wissenschaftliche Untersuchungen liefern. Ob daraus ein Verfahren entsteht, das sich im industriellen Maßstab rechnet, ist offen. Ebenso offen ist, welchen wirtschaftlichen Nutzen der Landkreis aus einer möglichen Verwertung seiner Deponie ziehen könnte.

UNSER FAZIT

Die Zukunftsbilder sind groß, die wirtschaftlichen Antworten bislang klein. 150 Arbeitsplätze machen sich gut in einer Präsentation. Ein belastbarer Geschäftsplan lässt sich daraus noch nicht ableiten.

Sollte auf kommunalem Grund eines Tages aus Altlasten Geld werden, muss vorher klar sein, wer das Risiko trägt und wer den Gewinn erhält.

Aus Giftmüll wird nicht allein durch eine schöne Präsentation Gold.