MAGDEBURG. Am 6. Oktober 2026 wird Tobias Rausch (AfD) zum Präsidenten des Landtags von Sachsen-Anhalt gewählt. Am selben Tag zieht BMW ein bereits vorliegendes Leasingangebot für seinen Dienstwagen zurück. Die Entscheidung steht fest. Der Grund bleibt offen. Auch fünf konkrete Fragen der Braker Zeitung bringen keinen Rückzugsgrund ans Licht.
Über den Vorgang berichtete zunächst die Zeit unter Berufung auf die Landtagsverwaltung. Der Zeitpunkt macht die Frage nach einem politischen Motiv naheliegend. Er beantwortet sie aber nicht. Dass BMW wegen der AfD-Zugehörigkeit von Rausch handelte, ist bislang nicht belegt.
Der Wagen hat ein Amt, kein Parteibuch
Rausch gehört der AfD an. Als Landtagspräsident steht er jedoch an der Spitze des Parlaments und repräsentiert ein Verfassungsorgan. Der Dienstwagen ist für die Amtsausübung vorgesehen, nicht für die Partei. Wer hier nur auf das Parteibuch schaut, übersieht den öffentlichen Auftrag.
Vorerst nutzt Rausch nach den veröffentlichten Berichten den BMW 7er seines CDU-Amtsvorgängers. Der bisherige Leasingvertrag läuft im November aus. Das Fahrzeug ist dem Amt des Landtagspräsidenten fest zugeordnet.
BMW darf entscheiden. Der Vertragsstand bleibt offen
Ein Unternehmen muss grundsätzlich nicht jedem Interessenten ein Fahrzeug anbieten. Aus dem Rückzug eines Leasingangebots folgt auch nicht automatisch ein Vertragsbruch. Dafür wäre entscheidend, ob das Angebot bereits angenommen war. Genau dieser Vertragsstand ist öffentlich noch nicht geklärt.
Den Berichten zufolge lagen zunächst auch von Audi und Mercedes keine vergleichbaren Angebote vor. Die Landtagsverwaltung muss sich deshalb mit der Beschaffung befassen, während die Öffentlichkeit über die Gründe des BMW-Rückzugs weiterhin nichts Konkretes erfährt.
Rausch vermutet Politik. Ein Beleg fehlt
In einem offenen Brief an den BMW-Vorstand kritisiert Rausch die Entscheidung. Nach seiner Darstellung wurde das Angebot wenige Stunden nach seiner Wahl zurückgenommen. Er fragt, ob politische Überzeugungen künftig darüber entscheiden sollen, mit wem deutsche Unternehmen Geschäfte machen.
Der Brief dokumentiert die Kritik des neuen Landtagspräsidenten. Er belegt nicht, was BMW zu seiner Entscheidung bewogen hat. Wer politische Ausgrenzung behauptet, braucht mehr als einen auffälligen Zeitpunkt.
Fünf konkrete Fragen. Ein allgemeiner Satz
Die Braker Zeitung fragte BMW am 9. Oktober schriftlich nach dem Rückzugsgrund, einem möglichen Zusammenhang mit der Wahl und der Parteizugehörigkeit, dem Vertragsstand, der zuständigen Entscheidungsstelle und möglichen Auswirkungen auf weitere Geschäftsbeziehungen mit dem Landtag.
Jörg Kottmeier aus der Konzernkommunikation und Politik antwortete noch am selben Tag: „Bitte haben Sie Verständnis, dass sich die BMW Group grundsätzlich nicht zu Kundenbeziehungen äußert.“
Das ist eine Erklärung der Auskunftspraxis. Es ist keine Erklärung für den Rückzug. BMW nennt weder einen sachlichen Grund noch bestreitet der Konzern in dieser Antwort einen möglichen politischen Zusammenhang. Der Vertragsstand bleibt ebenfalls ungeklärt.
Damit steht der Rückzug des Angebots fest, nicht jedoch sein politischer Hintergrund. BMW könnte mit einer nachvollziehbaren Erklärung zur Klärung beitragen. Könnte.
Quellen: MDR Sachsen-Anhalt, 9. Oktober 2026 · dpa-Bericht zum offenen Brief, 9. Oktober 2026. Eigene Recherche: schriftliche Antwort von Jörg Kottmeier, BMW Group Konzernkommunikation und Politik, vom 9. Oktober 2026.

