Am 9. Oktober 2026 hat der Rat der Europäischen Union die nächsten Weichen gestellt: Europäische Kapitalmärkte sollen enger verzahnt werden, um mehr privates Geld in Unternehmensinvestitionen zu lenken. Auf den europäischen Konten liegen nach offiziellen Angaben rund zehn Billionen Euro. Für Brüssel sind diese Ersparnisse längst auch eine strategische Finanzierungsquelle.

Merz rechnete es bereits vor

Die politische Begehrlichkeit ist nicht neu. Bereits am 12. Oktober 2024 rechnete der heutige Bundeskanzler Friedrich Merz, damals noch CDU-Chef und Kanzlerkandidat, auf einem CSU-Parteitag öffentlich vor, was sich mit den seinerzeit von ihm bezifferten 2,8 Billionen Euro auf deutschen Konten anfangen ließe.

Sein Vorschlag: Davon „nur zehn Prozent zu mobilisieren“, mit einem vernünftigen Zinssatz für die öffentliche Infrastruktur.

Das wären 280 Milliarden Euro.

Die Stoßrichtung von Berlin bis Brüssel ist ähnlich: Für gewaltige Investitionsvorhaben soll verstärkt privates Kapital gewonnen werden. Merz sprach über Infrastruktur, die EU will Unternehmen und strategische Wirtschaftsbereiche finanzieren.

Der Trick mit dem „toten“ Kapital

Die EU-Kommission argumentiert, Bankeinlagen böten vergleichsweise geringe Erträge. Wer durch bessere Anlagemöglichkeiten und steuerliche Anreize in Aktien und Fonds investiere, könne höhere Renditen erzielen.

Doch die Erzählung vom unproduktiven Sparkonto hat einen entscheidenden Haken: Bankguthaben liegen nicht ungenutzt in Tresoren, sondern finanzieren über das Bankensystem längst Kredite und Staatsanleihen. Darauf weist Clemens Fuest, Präsident des ifo-Instituts, in einer Analyse vom Dezember 2025 hin.

Der wesentliche Unterschied liegt beim Risiko. Banken tragen grundsätzlich das Risiko ihrer Kreditgeschäfte. Klassische Bankeinlagen sind innerhalb der gesetzlichen Grenzen durch die Einlagensicherung geschützt. Wer sein Geld dagegen am Kapitalmarkt anlegt, trägt Schwankungen und Kursverluste selbst.

Ein Zwangszugriff auf Konten ist der EU-Beschluss nicht. Er ist Teil eines politischen Programms, das private Ersparnisse gezielt stärker in Kapitalmarktinvestitionen lenken soll.

UNSER FAZIT

Zehn Billionen Euro sind eine beeindruckende Zahl. Sie sind aber kein EU-Schattenhaushalt und keine politische Reservekasse für Rüstung und Energiewende.

Wenn die Politik private Ersparnisse für ihre strategischen Ziele mobilisieren will, sollen Sparer zusätzliches Kapital bereitstellen und dafür wirtschaftliche Risiken übernehmen.

Die Politik darf um das Geld werben. Aber das Risiko und die Entscheidung darüber tragen die Sparer selbst.