Im Februar 2016 nannte die niedersächsische Landesregierung für den A20-Abschnitt zwischen Jaderberg und Schwei klare Zielmarken: Planfeststellung im Jahr 2018, möglicher Baubeginn 2021. Heute, im Oktober 2026, wird dort kein Asphalt gegossen. Stattdessen liegt lediglich die erste Planänderung öffentlich aus, während für den 22,45 Kilometer langen Abschnitt inzwischen 674,7 Millionen Euro im Finanzierungsplan stehen.
Neu ist das Projekt nicht. Bereits im Dezember 2017 wurde das Planfeststellungsverfahren eingeleitet. Der damals genannte mögliche Baustart liegt inzwischen fünf Jahre zurück. Ein Planfeststellungsbeschluss fehlt für diesen Abschnitt weiterhin. Die Planfeststellungsbehörde bestätigt ausdrücklich, dass das Verfahren weiterläuft. Einwendungen gegen die nun geänderten Unterlagen können noch bis zum 9. November eingereicht werden. Der Realisierungsstand im Finanzierungsplan der Autobahn GmbH fasst den Status in drei Worten zusammen: „in der Planfeststellung“.
Wer in die Unterlagen schaut, sieht eine zweite Lücke, die sich neben dem Zeitplan auftut. Als die Kosten für den Abschnitt im Jahr 2013 erstmals im technischen Entwurf ermittelt wurden, ging man von 407 Millionen Euro aus. Heute weist der Finanzierungs- und Realisierungsplan voraussichtliche Gesamtausgaben von 674,7 Millionen Euro aus. Das ist eine absolute Differenz von 267,7 Millionen Euro. Die heute ausgewiesene Summe liegt damit knapp 66 Prozent über der damaligen Kostengröße.
Diese Entwicklung passierte nicht in einem einzigen Sprung. Schon im dritten Quartal 2020 lag die fortgeschriebene Kostenschätzung bei 495,3 Millionen Euro. Dass zwischen den Summen mehr als ein Jahrzehnt, veränderte Preisstände sowie neue naturschutzfachliche Vorgaben liegen, gehört zur Rechnung dazu. Moor- und Marschböden, 35 Brücken- und Ingenieurbauwerke, Gewässerquerungen und eine geplante Großrastanlage machen die Planung aufwendig. Hinzu kommt eine Verkehrsprognose von abschnittsweise mehr als 28.000 Fahrzeugen täglich. Welche Summe jedoch exakt auf Baupreissteigerungen, welche auf Umplanungen oder zusätzliche Auflagen entfällt, geht aus den veröffentlichten Zahlen nicht hervor.
Der Abstand bleibt trotzdem dokumentiert: 407 Millionen Euro damals, 674,7 Millionen Euro heute. Davon wurden bis Ende 2024 erst 19,6 Millionen Euro verausgabt.
Während über die A20 seit Jahren als künftige Küstenautobahn debattiert wird, zeigt der Abschnitt zwischen Jaderberg und Schwei, wie weit politische Zeitachsen und planerische Realität auseinanderlaufen. Fünf Jahre nach dem einst angepeilten möglichen Baustart gibt es keine fertige Autobahn. Es gibt eine erste Planänderung.
Und die Frage, wie teuer das Warten auf das Baurecht am Ende noch wird.
Quellen: Niedersächsischer Landtag, Drucksache 17/5210 · Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr · Deutscher Bundestag, Drucksache 20/4852 · Deutscher Bundestag, Drucksache 19/28259 · Autobahn GmbH, Finanzierungs- und Realisierungsplan 2025–2029.
