ESERMARSCH. Anfang September verschickte das Jobcenter Wesermarsch eine neue Mitwirkungsaufforderung. Die Behörde setzte eine Frist und verlangte Unterlagen für den Leistungszeitraum von März bis August 2026. Doch die benötigten Dokumente lagen bereits vor. Mehr noch: Der Zeitraum war seit dem 6. August mit einem abschließenden Bescheid endgültig festgesetzt und damit abgeschlossen.
Nach mehrfachen Nachfragen hat der zuständige Fachbereich die Akte geprüft und den Fehler am 9. Oktober schriftlich bestätigt. Es fehlten keine Unterlagen. Die Aufforderung hätte nicht versandt werden dürfen, sie sei „gegenstandslos“. Das Jobcenter entschuldigt sich ausdrücklich für das Versehen und kündigt an, das zuständige Team dafür zu sensibilisieren, Akteninhalte vor dem Versand solcher Schreiben sorgfältiger zu prüfen.
Behörde schweigt während der Frist
Das Versehen ist jedoch nur ein Teil des Vorgangs. Schwerer wiegt, was während der laufenden Frist geschah.
Bereits am 9. und nochmals am 15. September wurde das Jobcenter schriftlich darauf hingewiesen, dass die geforderten Dokumente bereits vorlagen. Gefragt wurde konkret, welche Unterlagen tatsächlich noch fehlten oder aktualisiert werden mussten.
Innerhalb der laufenden Mitwirkungsfrist erfolgte darauf keine entsprechende inhaltliche Konkretisierung.
Um mögliche leistungsrechtliche Nachteile wegen einer vermeintlich fehlenden Mitwirkung auszuschließen, wurden die Unterlagen deshalb vorsorglich ein zweites Mal eingereicht.
Geschäftsführer Eike Bohlmann hatte zuvor auf allgemeine Nachfrage erklärt, bereits vorhandene und verwertbare Unterlagen müssten grundsätzlich nicht nochmals vorgelegt werden. Maßgeblich sei der jeweilige Sachverhalt.
Im konkreten Fall wurde dieser Sachverhalt erst Wochen später im Fachbereich erneut geprüft. Das Ergebnis ist eindeutig: Die erforderlichen Unterlagen waren vorhanden, der Leistungszeitraum war abgeschlossen und die Mitwirkungsaufforderung hätte nicht versandt werden dürfen.
Keine Zahlen zu vergleichbaren Fällen
Wie oft das Jobcenter Wesermarsch bereits eingereichte Unterlagen erneut anfordert, bleibt offen. Belastbare Zahlen für die Jahre 2024, 2025 und 2026 existieren nach Angaben der Geschäftsführung nicht, weil solche Vorgänge nicht gesondert statistisch erfasst werden.
Der Fehler ist damit dokumentiert und die Aufforderung gegenstandslos. Offen bleibt aber, warum auf die schriftlichen Hinweise während der laufenden Frist keine konkrete Antwort erfolgte.
Im konkreten Fall führte genau das dazu, dass bereits eingereichte Unterlagen vorsorglich ein zweites Mal vorgelegt wurden, obwohl das Jobcenter später selbst feststellte: Es fehlte nichts.
Quellen und Transparenz: Grundlage sind die dokumentierten Schreiben und Nachrichten im Vorgang, insbesondere die Mitwirkungsaufforderung vom 03.09.2026, die schriftlichen Konkretisierungsanfragen vom 09.09. und 15.09.2026, die Antworten der Geschäftsführung sowie die fachliche Aktenprüfung des Jobcenters vom 09.10.2026. Die Braker Zeitung trennt den persönlichen Leistungsfall von der journalistischen Auswertung des dokumentierten Verwaltungsvorgangs.
Was noch offen ist
Der konkrete Fehler ist eingeräumt. Offen bleibt, warum auf die schriftlichen Hinweise während der laufenden Frist keine konkrete Antwort erfolgte und wie die fehlerhafte Aufforderung trotz bereits abgeschlossener Festsetzung versandt werden konnte.




