Brake/Wesermarsch - Der Kreishaushalt 2026 entwickelt sich besser als geplant, aber nicht weil die strukturellen Probleme verschwunden wären. Nach dem Budgetbericht des Landkreises sinkt der erwartete Jahresfehlbetrag von 12.424.300 Euro auf 9.368.100 Euro. Das ist eine Verbesserung um 3.056.300 Euro.
Die Braker Zeitung hat dafür den Budgetbericht zum 31. Juli 2026, die Mitteilungsvorlage 2026/FD20/273 und das Protokoll des Finanzausschusses vom 22. September ausgewertet. Die Unterlagen zeigen, welche Faktoren das Ergebnis verbessern und wo gleichzeitig neue Belastungen entstehen.
2,964 Millionen Euro weniger Personalaufwand
Für Personalaufwendungen waren im Haushalt 39.156.900 Euro angesetzt. Die aktuelle Jahresprognose liegt bei 36.192.600 Euro. Gegenüber dem Ansatz ergibt sich damit eine Entlastung von 2.964.300 Euro.
Im Finanzausschuss erläuterte Kreisrätin Maren Würger, dass diese Abweichung im Wesentlichen auf vakante Stellen zurückzuführen sei. Das ist für den Haushalt zunächst ein positiver Effekt: Geld, das für besetzte Stellen eingeplant war, wird nicht in voller Höhe ausgegeben.
Wichtig: Die knapp drei Millionen Euro sind keine Einsparung durch einen beschlossenen Stellenabbau. Nach Aussage der Verwaltung besteht der Bedarf an den Stellen weiterhin.
EWE bringt ebenfalls rund drei Millionen Euro zusätzlich
Auf der Ertragsseite kommt ein zweiter großer Effekt hinzu. Im Ausschuss wurde eine gegenüber dem Ansatz um rund drei Millionen Euro höhere Ausschüttung der EWE genannt. In der Ergebnisrechnung steigen die Zinsen und ähnlichen Finanzerträge von 7.178.000 Euro im Ansatz auf prognostizierte 10.230.000 Euro. Die Abweichung beträgt 3.052.000 Euro.
Hinzu kommen unter anderem höhere Schlüsselzuweisungen des Landes, höhere Erträge bei Bildung und Teilhabe sowie eine erhöhte Landesförderung für Kindertagesstätten. Insgesamt sollen die ordentlichen Erträge 3.631.600 Euro besser ausfallen als geplant.
Knapp sechs Millionen helfen, aber nur drei Millionen bleiben übrig
Die beiden auffälligsten positiven Effekte liegen zusammen bei knapp sechs Millionen Euro: 2,964 Millionen Euro weniger Personalaufwand und rund drei Millionen Euro zusätzliche EWE-Erträge. Das bedeutet jedoch nicht, dass sich das Jahresergebnis ebenfalls um sechs Millionen Euro verbessert.
Der Grund liegt auf der Ausgabenseite. Die Transferaufwendungen steigen nach der Prognose von 139.249.600 Euro auf 143.609.500 Euro. Das ist eine Verschlechterung um 4.359.900 Euro. Im Gesamtergebnis des Fachdienstes Soziales fällt die Prognose sogar 5.371.400 Euro schlechter aus als der Ansatz.
Unter dem Strich steigen die ordentlichen Aufwendungen insgesamt um 1.097.100 Euro gegenüber der Planung. Zusammen mit weiteren Veränderungen bleibt für das Jahresergebnis eine Verbesserung um 3.056.300 Euro.
Die Verwaltung meldet Überlastungen und Rückstände
Besonders wichtig ist deshalb, was hinter den geringeren Personalausgaben steht. Im Ausschuss wurde ausdrücklich gefragt, ob fehlendes Personal durch Fremdfirmen ersetzt werden könne oder ob einzelne Stellen möglicherweise entbehrlich seien.
Die Antwort der Verwaltung war deutlich: Bei den Vakanzen handele es sich überwiegend um Fachpersonal für Verwaltungsaufgaben. In den betroffenen Bereichen komme es zu Arbeitsüberlastungen und Rückständen. Als besonders betroffen wurden Ausländerbehörde, Einbürgerung, Soziales und Jugend genannt.
Auch Stellen der mittleren Führungsebene seien unbesetzt. Teilweise könnten diese nach Angaben der Verwaltung wegen laufender Rechtsstreitigkeiten nicht besetzt werden. Eine Fremdvergabe der betreffenden Aufgaben sei nicht möglich.
22.206 Überstunden bei rund 600 Beschäftigten
Das Protokoll nennt außerdem einen weiteren Belastungswert. Zum 31. Dezember 2025 bestanden bei rund 600 Beschäftigten insgesamt 22.206,23 Überstunden. Die Zahl bezieht sich auf den Jahresende-Stand 2025 und lässt sich nicht allein den aktuellen Vakanzen zurechnen. Sie zeigt jedoch, dass die Personalsituation nicht nur eine Haushaltsfrage ist.
Die Zahl 37 ist noch nicht aus einer Kreisquelle bestätigt
Die NWZ berichtet in ihrer öffentlich sichtbaren Artikelbeschreibung von 37 unbesetzten Stellen. Diese konkrete Zahl findet sich in den von der Braker Zeitung ausgewerteten öffentlichen Unterlagen des Landkreises nicht. Budgetbericht, Mitteilungsvorlage und Sitzungsprotokoll sprechen von vakanten Stellen, nennen aber keine Gesamtzahl.
Die Braker Zeitung hat den Landkreis deshalb am 25. September schriftlich gefragt, wie viele Stellen der Kreisverwaltung zum Stichtag 31. Juli 2026 unbesetzt waren und ob die Zahl 37 zutrifft. Die Antwort wird nach Eingang in diesen Beitrag aufgenommen.
Die Haushaltsrechnung selbst hängt von dieser noch offenen Zahl nicht ab. Die Abweichung bei den Personalaufwendungen von 2.964.300 Euro ist im Budgetbericht des Landkreises unmittelbar ausgewiesen.
Das Defizit bleibt erheblich
Auch nach der Verbesserung bleibt der Landkreis 2026 tief im Minus. Statt 12,424 Millionen Euro wird nun ein Fehlbetrag von 9,368 Millionen Euro erwartet. Im Ausschuss warnte die Verwaltung zudem bereits vor einer deutlichen Verschlechterung im Jahr 2027, insbesondere im Sozialbereich.
Die aktuelle Entlastung ist deshalb zweischneidig: Eine höhere Ausschüttung verbessert die Einnahmeseite, unbesetzte Stellen drücken die Personalausgaben. Gleichzeitig entstehen nach eigener Darstellung der Kreisverwaltung Rückstände und Überlastungen. Das bessere Jahresergebnis löst damit die strukturellen Probleme des Kreishaushalts nicht.
