WESERMARSCH/BRAKE. Niedersachsen rechnet bis Ende März 2027 mit rund 6.000 weiteren Aufnahmen in den Kommunen. In der veröffentlichten Anlage des Innenministeriums entfallen davon 148 auf den Landkreis Wesermarsch. Die Zahl steht beim Land. In Brake ist die offizielle Mitteilung dazu noch nicht angekommen.

„Schutzsuchende“ ist die Bezeichnung des Landes

Das Innenministerium überschreibt seine Mitteilung mit „Schutzsuchende“ und verwendet im Text außerdem die Begriffe Geflüchtete und Asylsuchende. Die Prognose nennt jedoch weder Nationalitäten noch Einreisewege oder den individuellen Aufenthalts- und Verfahrensstatus der später tatsächlich Zugewiesenen. Der amtliche Sammelbegriff belegt deshalb keinen bereits feststehenden individuellen Schutzstatus.

Aus 148 werden neun kommunale Zahlen

Das Land berechnet das Kontingent vorwiegend anhand der Bevölkerungszahl. Bestehende Über- und Unterquoten aus früheren Aufnahmen fließen ebenfalls ein. Die weitere Verteilung innerhalb des Landkreises liegt in kommunaler Zuständigkeit.

Wie viele Menschen auf Brake, Nordenham, Elsfleth, Berne, Butjadingen, Jade, Lemwerder, Ovelgönne und Stadland entfallen, ist öffentlich noch nicht ausgewiesen.

Brake kennt seine Quote noch nicht

Bürgermeister Michael Kurz teilte der Braker Zeitung am Donnerstag mit, die Stadt habe noch keine offizielle Mitteilung über das neue Aufnahmekontingent erhalten. Auch die Quote für Brake sei unklar.

Der Grund liegt nach Angaben des Bürgermeisters in der noch offenen Abrechnung des vorherigen Kontingents. Der Stadt sei nicht bekannt, welche Über- oder Unterdeckung dabei zugrunde gelegt werde. Brake habe zwar eigene Berechnungen. Ob diese mit denen des Landkreises übereinstimmen, müsse aber erst geklärt werden.

Damit steht auf Landesebene die 148. Die Zahl für Brake steht noch nicht. Die übrigen Fragen zur Unterbringung und zur konkreten Umsetzung will Kurz Anfang kommender Woche beantworten.

Brake hatte 97 Wohnungen angemietet

Wie stark eine Aufnahmequote die Stadt praktisch treffen kann, zeigt der frühere Stand. Im März 2023 berichtete Kurz von 416 untergebrachten Menschen in Brake. Darunter waren 287 Kriegsvertriebene aus der Ukraine und 129 Asylbewerber. Die Stadt hatte dafür 97 Wohnungen angemietet und nach damaliger Darstellung knapp 60 Prozent ihrer Quote erfüllt.

Für die heutige Lage lassen sich daraus weder freie Plätze noch eine aktuelle Quote ableiten. Genau diese Zahlen müssen jetzt neu festgestellt werden.

140 Plätze am BBZ dienen dem Bevölkerungsschutz

Auf dem Gelände des Berufsbildungszentrums in Brake hält der Landkreis eine Sammelunterkunft für rund 140 Personen vor. Nach der aktuellen Darstellung des Landkreises ist sie heute eine Ressource des Brand- und Bevölkerungsschutzes.

140 Plätze in der Anlage stehen 148 Aufnahmen im neuen Kreiskontingent gegenüber. Daraus folgt nicht, dass die Unterkunft wieder für diesen Zweck genutzt werden soll. Offen ist deshalb, ob eine solche Nutzung vorgesehen oder geprüft wird und was sie für die Vorhaltung im Bevölkerungsschutz bedeuten würde.

Eine Antwort des Landkreises zur kommunalen Verteilung und zur möglichen Nutzung der Sammelunterkunft lag zum Zeitpunkt dieses Updates noch nicht vor.

Landesweit sinken die Zahlen

2024 registrierte Niedersachsen nach Angaben des Innenministeriums rund 18.700 Schutzsuchende. 2025 wurden rund 9.800 Asylanträge gestellt. Bis zum 4. Oktober 2026 waren landesweit 5.059 Personen in der vom Ministerium verwendeten Kategorie erfasst.

Der landesweite Zugang ist damit deutlich niedriger als noch 2024. Für die Wesermarsch bleibt trotzdem eine konkrete Verwaltungsaufgabe. Das Land zählt schon bis 148. Brake wartet noch auf die Mitteilung, wie viel davon bei der Stadt landet.

Quellen: Niedersächsisches Innenministerium: neues Verteilkontingent · Innenministerium: landesinterne Verteilung · Stadt Brake: Bericht des Bürgermeisters vom 23. März 2023 · Landkreis Wesermarsch: Sammelunterkunft · schriftliche Auskunft von Bürgermeister Michael Kurz an die Braker Zeitung vom 8. Oktober 2026.